Runter von der Wachstumsbremse Personalmangel

Wie viele offene Stellen habt ihr gerade? Macht ihr euch auch schon Sorgen darüber, die nächsten Meilensteine nicht mehr zu schaffen, weil nicht genügend Menschen an Bord sind?

Da geht es euch wie vielen anderen auch. Der Personalmangel in Startups drückt zunehmend auf die Wachstumsbremse. Schon im August 2020 erklärten 68% der von Bitkom befragten Startups, sie hätten Probleme, geeignete Bewerber zu finden. Knapp 50% der Startups hatten offene Stellen.

Aktuell verschärft die Post-Corona-Kündigungswelle die Situation. Der Kampf um attraktive Kandidaten nimmt an Schärfe zu. Erst vor ein paar Tagen erzählte mir eine Recruiterin, dass Headhunter zum Teil schon Aufschläge angeboten bekommen, wenn sie gute Kandidatinnen früher und exklusiv vorschlagen.

What a Nightmare!

Und gleichzeitig wundert es mich nur begrenzt. Denn in vielen Teams wird das Recruiting noch immer nicht professionell betrieben. Zeit also für einen neuen Blick auf das Recruiting.

Entlang dieser 7 Thesen kannst du euer Recruiting neu aufstellen.

#1 Ohne Hiring kein Business. Mach Recruiting zu deiner Prio 1.

Eigentlich trivial: Wenn dir die richtigen Leute fehlen, dann kannst du keine gute Leistung liefern. Oder wie Marc Benioff, Gründer von Salesforce so schön sagt:

„Acquiring the right talent is the most important key to growth. Hiring was – and still is – the most important thing we do.“

Und die Engpassressource Nr. 1 ist immer auch gleich die Prio. 1 für dich als Gründer und CEO.

Wenn du es nicht bereits tust: Entwickelt eure Teamstrategie genauso sorgfältig wie eure Kundenstrategie.

Der Startpunkt dazu ist das Verständnis eurer Traumkollegen

#2 Verstehe deine Traumkollegen! Bringe die Richtigen ins Team.

Eure Traumkollegen sind die Kollegen, die euer Unternehmen aufgrund ihrer Arbeitsweise und ihrer Haltung am besten repräsentieren und mit denen ihr optimal aufgestellt seid, euer Wertversprechen an eure Traumkunden zu realisieren.

Setzt im Leadership- oder Gründerteam eine Session auf, in der ihr brainstormt, was eure Traumkollegen ausmacht. Sucht euch 3-4 Kollegen, die ihr als Traumkollegen wahrnehmt: Was sind ihre Eigenschaften, Werte, Verhaltensweisen, Umfeld? Entwickelt daraus die Persona eures Traumkollegen.

 #3 Klarheit ist alles. Employee Value Proposition und Impact Profil.

Im nächsten Schritt erarbeitet ihr, welche Anforderungen eure Traumkollegen an die Zusammenarbeit mit euch haben und welche Bedürfnisse sie in ihrem Job realisieren wollen.

Wie sind die Bedürfnisse nach Verbindung, Sicherheit, Bedeutung, Sinnhaftigkeit der Arbeit, Meisterschaft und Autonomie bei euren Traumkollegen ausgeprägt? Wie wichtig sind ihnen diese Bedürfnisse? Wie müssen eure Jobexperience und eure Kultur aussehen, um diese Bedürfnisse zu erfüllen?

Unseren Traumkollegen bei etventure war es z.B. besonders wichtig, eine enge Beziehung miteinander zu haben und gleichzeitig mit hoher Autonomie zu arbeiten. Eine starke Fehlerkultur hat sichergestellt, dass die ausgeprägte Kreativität auch wirklich in innovative Ideen übersetzt werden konnte….

Verdichtet all diese Überlegungen zu eurer Employee Value Proposition: Jeder (Traumkollege) kann (das werden) in dem er (mit euch arbeitet), und damit (Folgendes lernt und erreicht).

Mit diesen Überlegungen seid ihr noch auf der Meta-Ebene unterwegs. Konkreter wird es mit den Impact-Profilen: Der Beschreibung der Rollen, die ihr konkret ausschreibt. Folgt bei der Rollenbeschreibung dem „WHY – WHAT – HOW“-Gedanken von Simon Sinek:

  • WHY: Was ist die Mission dieser Rollen, was genau soll diese Rolle für das Unternehmen erreichen?
  • WHAT: Welche konkreten Aufgaben übernimmt die Rolle, für welche Ergebnisse ist sie verantwortlich?
  • HOW: Welche Kompetenzen und Mindset sollte der ideale Bewerber für diese Rolle mitbringen?

Aus den Inhalten der Value Proposition und dem Impact-Profil könnt ihr eine spannende Jobanzeige gestalten. Sprecht mit euren Traumkollegen in ihrer Sprache, nicht in der HR-Lingo. Challenged eure Kandidaten. Top-Leute wollen keine Arbeitgeber, die sich anbiedern.

Spätestens dann ist es Zeit, euren Recruiting-Prozess neu anschmeißen.

#4 Etabliere das Recruiting-Flywheel. Recruiting ist Vertrieb pur.

Betrachtet euer Recruiting als zweiten zentralen Vertriebsprozess, für den die gleichen Regeln gelten, wie für euren Kundenvertrieb.

Beim Nachdenken über den Vertrieb arbeite ich gerne mit dem Flywheel. Dieses Flywheel lässt sich ganz wunderbar auch auf den Recruitingprozess anwenden.

#5 Sei sexy und nahbar. Zieht eure Kandidaten ins Netz und aktiviert sie.

In der Attract-Phase könnt ihr weitergehend über die gleichen Kanäle kommunizieren, wie mit euren Kunden. Denn die Top-Kandidaten wollen euch vor allem als attraktives, spannendes Unternehmen erleben: Was ist eure Vision, welche Kunden bedient ihr, welche Innovationen kommen von euch, welchen Impact habt ihr.

Zu meinem Job bei Solon, einer damals frisch gegründeten Unternehmensberatung, kam ich über 3 Zeitungsartikel, die das Unternehmen in den unterschiedlichsten Facetten zeigten.

  • Als Beratung, die mit menschlichem Format Top-Strategieprojekte machte (Genau das, was ich suchte!).
  • Als Arbeitgeber, der was von Dual Career with Kids verstand (Super! Verständnis für meine Familienpläne!).
  • Als Thought Leader in der Telekommunikation (Klasse! Hier kann ich genau auf meiner Expertise arbeiten!).

Keiner dieser Artikel war für das Recruiting gedacht. Eine Jobanzeige habe ich nie gesehen. Brauchte ich nach den Artikeln auch nicht mehr …

Seid in der Attract-Kommunikation sexy. Kommuniziert auf Augenhöhe und mit Herz: Zeigt euer Team, den Spirit im Unternehmen, eure Kultur und den Spaß, den ihr gemeinsam habt.

In der Engage-Phase heißt es dann näher rücken. Bietet Möglichkeiten, um in den direkten Kontakt mit euch zu treten. Sprecht attraktive Kandidaten direkt an. Seid auf Job-Portalen, Uni-Veranstaltungen und anderen offenen Events unterwegs. Macht euch so erlebbar wie möglich und baut längerfristige Beziehungen auf. Praktikanten- und Werkstudentenstellen sind immer wieder super dafür. Bei etventure z.B. gab es kaum einen Kandidaten, der nicht vorher schon intensiv mit etventure in Kontakt gestanden hätte. Nutzt auch euer Team als Ambassador.

Mit einem guten Engage-Prozess zieht ihr attraktive Kandidaten immer näher an euch heran. Irgendwann ist der Köder gefressen. Endlich könnt ihr einen begeisternden und überzeugenden Recruitingprozess starten.

#6 Challenger auf Augenhöhe. Herausfordern statt Bauchpinseln.

Ein überzeugender Recruitingprozess besteht aus 6 Schritten:

Telefoncheck. Kandidaten, deren CV grundsätzlich überzeugt, sollten in jedem Fall durch einen kurzen Telefoncheck laufen, der gerne von eurem Recruitingteam gemacht werden kann.

Kommt dabei möglichst schnell zu den Fragen, bleibt nicht lange im Social Chit Chat hängen. Bei Bedarf könnt ihr bei den Fragen zwischen deutsch und englisch wechseln. Damit habt ihr schon mal einen ersten Sprachcheck und Stresstest.

Gute Fragen für diese Phase sind:

  • Erzähl mir etwas über dich selbst.
  • Wie war es, bei [X] zu arbeiten?
  • Woran würdest du am liebsten arbeiten?
  • Worauf legst du bei der Wahl deiner nächsten Rolle am meisten Wert?
  • Was möchtest du in deiner nächsten Rolle anders machen?

Lasst aber auch Zeit für die Fragen der Kandidaten.

Kulturfit-Interviews. Das erste richtige Interview sollte dem Kulturfit gewidmet sein. Zu diesem Zeitpunkt habt ihr euch noch nicht in die Kompetenz des Kandidaten verliebt und seid noch nicht befangen.

Entwickelt zu jedem eurer Unternehmenswerte eine Frage, deren Beantwortung zeigt, ob euer Kandidat diesen Wert auch wirklich lebt. Mögliche Fragen:

  • Erzähl von einer Zeit, in der du mit jemandem zusammengearbeitet hast, der völlig anders war als du. Was machte die Unterschiede aus? Wie habt ihr die Vielfalt genutzt? (Diversität).
  • Erzähl mit vom schlimmsten Fehler, der dir bei der Arbeit unterlaufen ist. Wie bist du damit umgegangen? Wie konntest du ihn lösen? (Kritikfähigkeit & Lösungsorientierung)

Kündigt bereits jetzt Referenzgespräche an und fragt auch mal aus Sicht der ehemaligen Arbeitgeber: Was würde deine ehemalige Chefin sagen, wenn wir sie das jetzt fragen?

Kompetenzcheck. Nach einem erfolgreichen Kulturfit geht es weiter. Kompetenz zeigt sich am besten in der Praxis, mit einer Case Study. Fragt auch nach den Top Learnings aus anderen Jobs.

Erklärt den Hintergrund und die Bedeutung der Case Study für die Rolle. Sagt, wonach ihr bei dem Case schaut. Lasst die Präsentation gerne auch vor erweiterter Runde halten. Baut kritische Nachfragen ein und schaut wie die Kandidatin reagiert.

Teamfit. Lasst den Kandidaten auf jeden Fall einen Teil des Teams treffen. Stellt dazu eine Gruppe aus Teammitgliedern mit unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Arrangiert eine offene, entspannte Runde, z.B. einen Lunchtermin. Lass das Gespräch frei fließen und beobachtet, wie der Kandidat mit dieser Runde interagiert:

  • Wie interagiert der Kandidat mit dem Team? Bleibt er auf Augenhöhe?
  • Ist die Kandidatin neugierig, stellt sie gute Fragen?
  • Wie spricht sie in dieser Runde über ihre bisherigen Jobs?

Sprecht nach dem Lunch mit dem Kandidaten über seine Erfahrung. Wie lässt er sich über das Team aus? Und holt natürlich auch das Feedback des Teams ein.

Referenzen. Überprüft bei erfahrenen Kandidaten in jedem Fall die Referenzen. Führt die Gespräche selbst durch, delegiert sie nicht! Holt für Führungsrollen idealerweise 4-6 Referenzen ein: ehemalige Chefs, Peers und Mitarbeiter.

Und das sind gute Fragen für Referenzgespräche:

  • Was sind die Stärken und Schwächen der Kandidatin?
  • Warum hat die Kandidatin ihr Unternehmen verlassen?
  • Lassen Sie mich etwas über die Rolle und unsere Kultur erzählen …  Wie gut passt die Kandidatin ihrer Ansicht nach?
  • Was sollte ich beim Management des Kandidaten beachten? Was hilft ihm, produktiv zu sein?

Stellt die Fragen so, dass ihr eure Thesen zu diesem Kandidaten überprüfen könnt.

Letzte Runde. Wenn alles passt, kommt ihr zum letzten Schritt – den du am besten selbst übernimmst. Die Chance für den finalen Kulturfit und für den Kandidaten die letzte Chance, Fragen zu stellen.

In diesem Gespräch könnt ihr schon in Richtung eines möglichen Onboardings arbeiten. Geht gemeinsam das Impact-Profil durch. Lass dir Anregungen zur Entwicklung der Rolle geben. Überlegt gemeinsam, wie ein erster Monat aussehen könnte. Was würde die Kandidatin machen, wenn sie morgen startet? Diskutiert die Ziele für den ersten Monat.

Runde das Gespräch schließlich mit einer Powerfrage ab. Meine Lieblingsfrage: Was ist dein USP? Basierend auf all dem, was du jetzt über uns weißt: Wie ergänzt du unser Team?

#7 Entschlossene Zusage, gepflegte Absage. Der letzte Kick.

Entschlossene Zusage. Idealerweise gibt es jetzt eine Zusage. Mit einer schnellen Zusage zeigt ihr, dass ihr als Unternehmen entscheidungsstark seid und den neuen Kollegen wirklich sehr schätzt.

Ich habe vor Jahren mal mit BCG recruitet. Nach Abschluss des Recruitingtages baten sie mich noch kurz auf die Verabschiedung durch die Recruiterin zu warten. Nach 10 min Wartezeit die Hammerüberraschung: Es kam nicht nur die Recruiterin – sie hatte auch schon den unterschriebenen Vertrag in der Hand. Das hat mich echt umgehauen! (Hat dann aber auch nichts geholfen –  die Employer Value Proposition von Solon war einfach besser und glaubwürdiger 😉 )

Das ist natürlich das Ideal. Leider aber nicht der Normalfall.

Gepflegte Absage. Oft genug werdet ihr feststellen, dass es doch nicht passt. Zeit für eine zeitnahe und wertschätzende Absage. In jedem Fall persönlich. Wenn Ihr absagt: Nehmt euch die Zeit, eure Absage zu erläutern. Was genau hat nicht gepasst? Wo könnte der Kandidat aus eurer Perspektive eventuell besser passen? Erwartet keine Begeisterung für eure Ehrlichkeit. Jedenfalls nicht sofort. Euer Kandidat hat das Recht, durch ein Trauerphase zu gehen.

Eine tolle Idee ist es schließlich, Absagen mit einem kleinen Dankeschön für den guten Prozess zu einem besonderen Moment zu machen, wie es z.B. Red Bull mit seinem „Reiseproviant“ macht. Denn wer weiss, wann man sich wieder trifft…

Mit einem starken Prozess habt ihr super Kandidaten gewonnen. Jetzt gilt es, sie gut ins Unternehmen zu integrieren, zu entwickeln und langfristig zu halten.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

Viel Erfolg beim Ausprobieren!

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Damit du dein Unternehmen und dein Team weiterhin mit all deiner Energie in den Höhenflug führen kannst!

Viel Spaß dabei

Dorothea

Volate – Fliegt!

Photo by Amer Mughawish on Unsplash

Total Pseudo! Reboot für euer Führungsteam

Wieder mal ein Management Meeting, das völlig für die Füße war! Große Runde, ein Dutzend und mehr Personen haben einen halben Tag mit Reporting verplempert. Reihum wurde berichtet, was gerade in den Bereichen läuft. Und zwar im Wesentlichen Richtung Gründer, während sich der Rest der Truppe langweilte. Immer mal wieder flammte eine Diskussion auf, aber erarbeitet und entschieden wurde wenig. Wie auch, bei den vielen Menschen?

Das alles hat nur begrenzten Nährwert und hinterlässt dich und alle Teilnehmer dieser Runden frustriert und desillusioniert. Die Schlussfolgerung: Meetings sind Mist und Führung im Team funktioniert nicht.

Raus aus dem Pseudoteam

Und in der Tat: So funktioniert Führung im Team nicht. Denn statt eines echten Teams habt ihr ein Pseudoteam geschaffen. Und Pseudoteams werden nie produktiv. Vergiss es!

Ich kenne das leider nur zu gut, war oft genug selbst Teil solcher Pseudoteams. Einfach grauenvoll. Vor allem die gemeinsamen Meetings. Was haben wir alles versucht, um die Meetings attraktiver und produktiver zu gestalten: Bessere Agenda, mehr Vorbereitung, externe Impulse zur Anregung der Diskussion, strenges Timekeeping …

Alles für die Füße. Denn mit all diesen Maßnahmen haben wir nur an den Symptomen herumgedoktert und nicht an der eigentlichen Ursache: Team-Meetings sind maximal so gut wie das Team, das dahintersteht.

Wenn dich also eure Führungsteammeetings nerven, schau erst mal, wo ihr als Team wirklich steht. Seid ihr ein echtes Team oder seid ihr eigentlich ein Pseudoteam?

Warnzeichen von Pseudoteams

Ein extremes Pseudoteam habe ich bei etventure erlebt. Als ich dort anfing, bestand das Management Meeting aus sage und schreibe 24 Teilnehmern:

  • Die 3 Gründer und ich als COO,
  • 4 Sales & Marketing Team Heads,
  • 12 Partner / Principals,
  • 5 weitere Head ofs (Product, Ventures, Startup Ecosystems, Finance, Admin).

Alles das war organisch gewachsen. Einmal drin, immer drin. Wir trafen uns einmal im Monat für einen ganzen Tag – was für eine Zeitverschwendung. Denn wirklich erarbeitet und entschieden wurde in dieser Runde nur wenig. Für die strategische Arbeit am Unternehmen war diese Runde viel zu groß. Neben der Größe waren auch alle anderen fünf Kriterien eines Pseudoteams erfüllt:

  • die Mitglieder waren primär auf die Gründer ausgerichtet. Nabe-und-Speiche.
  • jeder war nur für seinen Bereichs zuständig und accountable,
  • statt gemeinsamer gab es nur individuelle Ziele,
  • die Meetings bestanden vor allem aus gegenseitigem Reporting und Rechtfertigung,
  • die Teilnehmer erlebten sich nicht als Gruppe.

Wie in vielen Unternehmen entstand dieses Pseudo-Führungsteam aus dem besten Willen, die wachsende Anzahl der Führungskräfte auch weiterhin in die Entwicklung des Unternehmens mit einzubinden.

Anfangs waren es vielleicht nur die Gründer und ein, zwei Team Leads und Partner, dann kamen sukzessive immer mehr dazu. Es wurden Zwischenebenen eingezogen, aber die Teammitglieder der ersten Stunde blieben… So wuchs und wuchs die Management-Runde. Der Effekt auf die Produktivität: Verheerend!

Wenn dir vieles davon bekannt vorkommt, ist es höchste Zeit zum Handeln. Löse das Pseudoteam auf und schaffe ein echtes Leadership Team.

Echtes Leadership Team: CEO im Großen, Unternehmen im Kleinen

Ein echtes Leadership Team folgt dem Motto: „CEO im Großen, Unternehmen im Kleinen.

Ein starkes Führungsteam vergrößert deine Reichweite, indem es deine Werte teilt, mit einer Stimme auftritt, die wesentlichen Entscheidungen trifft und sie systematisch umsetzt. Damit ist es ein CEO im Großen.

Gleichzeitig reflektiert das Führungsteam das Unternehmen im Kleinen. Es deckt wesentliche Bereiche des Unternehmens und alle Kompetenzen ab, die ihr braucht, um euer Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Nur mit einem solchen Leadership Team kannst du die Transformation des Unternehmens zum Wachstumsführer vorantreiben.

„Ein herausragendes Führungsteam macht dein Unternehmen stark; es ist eine der Säulen der Führungsinfrastruktur“

Robert Sher

Genau das haben wir bei etventure gemacht: Wir haben das Leadership Board etabliert und es zu einem echten Team gemacht.

Das Leadership Board bestand aus insgesamt 8 Vertretern aller wesentlichen Unternehmensbereiche. Eine starke, diverse Truppe. In der Zusammenarbeit hatte jedes Teammitglied zwei Hüte auf: Den von etventure, und den des Bereichs, der sie oder er vertrat.

Nach einem 2-tägigen Kick-off-Offsite trafen wir uns einmal in der Woche, um die akuten operativen Entscheidungen zu treffen, und einmal im Monat für einen ganzen Tag (inkl. Dinner), um an den strategischen Themen zu arbeiten und als Team zusammenzuwachsen. Bald schon erfüllten wir neben der Größe auch die anderen Kriterien eines echten Teams:

  • Wir führten das Unternehmen gemeinsam, sprich alle übergreifenden Themen wurden in dieser Runde aktiv bearbeitet.
  • Wie hielten uns gegenseitig für unsere Zusagen accountable
  • Wir definierten gemeinsame Arbeitsziele und ließen uns vom Gesamtteam an deren Erfolg messen.
  • Wir hatten endlich den Raum für intensive Diskussionen und klare Entscheidungen.
  • Wir reflektierten unsere Zusammenarbeit, bauten Vertrauen auf und fühlten uns als Team.

Und das Beste daran: Vorbei die Zeit der langweiligen Zeitfresser-Meetings. Unsere Arbeitssessions waren unglaublich produktiv. Endlich kamen wir voran und hatten dabei auch noch unglaublich viel Spaß!

Ein echtes Führungsteam sieht sich als Team, die Kollegen sehen sich gegenseitig als Peers und übernehmen Verantwortung füreinander. Sie sind als Team verantwortlich für den Unternehmenserfolg, arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig.

Maria Sievert, CEO inveox

Leadership Team – ein starkes Signal

Die Einführung eines echten Leadership Teams ist ein Game-Changer in der Führung. In der Doppelfunktion des „CEO im Großen, Unternehmen im Kleinen“ hat euer Leadership Team eine wesentliche Signalwirkung für euer Unternehmen.

  • Ihr seid Vorbild und lebt die Werte und die Kultur des Unternehmens vor.
  • Ein starkes Führungsteam zeigt, wie du Verantwortung teilst.
  • Die Teammitglieder leben die Übernahme von Verantwortung vor.
  • Gemeinsam arbeitet ihr an der Weiterentwicklung des Unternehmens. Kein Platz für Siloegoismen!
  • Euer geschlossener Auftritt und eure klare Ausrichtung geben dem Gesamtteam Sicherheit und Orientierung.
  • Ihr arbeitet an den großen strategischen Themen und gestaltet die Zukunft eures Unternehmens.

Auch für dich ist ein echtes Leadership Team ein echter Game-Changer. Wenn du diese Führungsaufgaben meisterst, hast du eine starke Mannschaft, mit der du deine zentralen Führungsaufgaben teilst. Du schaffst dir ein sicheres Umfeld, in dem du dich auch mal fallen lassen kannst, und einen Raum für Experimente, mit denen ihr die Zukunft gestalten könnt. Und du schaffst ein Team, das mittelfristig deine Rolle übernehmen kann und dir damit die unternehmerische Freiheit gibt, von der du im tiefsten Herzen träumst.

Sei mutig, gehe den Schritt

Das klingt alles toll – und dennoch verlangt die Neuaufstellung des Leadership Teams einiges an Mut.

Mut, denn die Verkleinerung der Management-Runde führt sicher zu Enttäuschungen im Team. Eventuell müsst ihr treuen Mitstreitern der ersten Stunde erklären, dass sie nicht mehr Teil des engeren Führungskreises sind. Oder Menschen ausschließen, denen der Status wichtig ist und die nun drohen, das Unternehmen zu verlassen (was dann meist doch nicht passiert…). Aus Sorge vor diesen Enttäuschungen verzögern viele den Schritt und halten zu lange am Pseudoteam fest.

Drei Schritte helfen dir, den Mut für diese Entscheidung zu gewinnen:

Radikal ehrlicher Blick auf die aktuelle Situation. Reflektiere, wie ineffizient das Pseudoteam ist und wie sehr du dich darüber ärgerst. Denk an all die unproduktiven Meetings, an deine Frustration, dass alles über deinen Tisch läuft, die fehlende Verantwortung, die Selbstdarsteller in den Meetings….

Schreib runter, was dich an diesen Runden frustriert. Allein die geballte Ladung kann schon helfen, den Schritt zu gehen.

Lebendiges Bild der Zukunft: Mache dir klar, welche immensen Vorteile ein echtes Leadership Team hat. Überlege dir, wie sehr es deine Arbeit erleichtert, wenn ihr mit den richtigen Menschen eng im Team zusammenarbeitet. Stell dir auch die Erleichterung des Gesamtteams vor, wenn es ein starkes Führungsteam gibt, dass das Unternehmen repräsentiert und produktiv ist.

Tausche dich mit Unternehmern aus, die diesen Schritt bereits gegangen sind, zum Beispiel mit mir 😉 . Lass dir erzählen, was der Lohn für deinen Mut ist.

Hol die einen starken Partner für die Umsetzung: Gehe diesen Weg nicht allein, sondern lass dich dabei unterstützen. Idealerweise könnt ihr das gemeinsam im Gründerteam vorantreiben. Oder suche dir einen erfahrenen Mentor oder Coach, der dir die Rückendeckung für diesen Weg gibt und dir hilft die Transformation zu gestalten.

Viel Erfolg bei der Schaffung eures echten Führungsteams!

Mehr über diese Transformation und den Kompetenzen der Führung eines High Performance Leadership Teams kannst du in den nächsten Wochen in weiteren Artikeln lesen.

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Damit du dein Unternehmen und dein Team weiterhin mit all deiner Energie in den Höhenflug führen kannst!

Viel Spaß dabei

Dorothea

Volate – Fliegt!

Photo by Markus Spiske on Unsplash

Verankert eure Werte im Team, nicht nur an der Wand

Euch ist klar, wie wichtig eure Werte für eine starke Kultur sind. Aber trotzdem scheinen sie nicht richtig angenommen zu werden:

  • Ihr habt euch Werte mit viel Liebe entwickelt – aber keiner kennt sie?
  • Die Werte hängen als coole Poster an der Wand – aber keiner schaut hin?
  • Im Recruiting greift ihr regelmäßig daneben? Der Teamfit stimmt einfach nicht?

Wenn euch das bekannt vorkommt, dann habt ihr zwar eure Werte entwickelt – aber einen wichtigen Schritt verpasst: Eure Werte im Team zu verankern.

Dabei ist das gar nicht so schwierig. Wichtig ist nur, dass ihr nicht nur eure Werte und deren Beschreibung formuliert, sondern sie wirklich erlebbar macht.

Der Weg zur Verankerung eurer Werte läuft über 5 Schritte. Mit den ersten drei Schritten beschreibt ihr eure Werte, gerne in Form einer Wertekarte. Schritt 4 und 5 bringen eure Werte zum Leben.

Wertekarte

Gemeinsame Werte identifizieren

Am Anfang steht die Entwicklung der Werte. Am besten gemeinsam im Gründerteam. Nutzt den im Blogartikel „Deine Werte: Das Fundament mutiger Führung“ beschrieben Prozess. Lasst jeden in der Runde die Eigenschaften von 2-3 Menschen vorstellen, die sie oder ihn begeistern oder positiv beeinflusst haben. Wenn die Liste komplett ist, gruppiert ihr diese Eigenschaften zu euren gemeinsamen Werten. 5-6 Werte sind eine gute Zahl.

Ich habe das gerade erst wieder mit einem Gründerteam gemacht. Keine 60 Minuten vergingen, bis wir ein erste Set an Werten hatten, dass das Team wirklich repräsentiert. Werte wie „Create your own way“ oder „Create value“ und nicht das Werte-Bullshit-Bingo von Integrität, Wertschätzung, Offenheit, Verantwortung, Teamwork und Innovation.

Bei Volate hat dieser Prozess zum Kernwert „Unverschämte Leichtigkeit“ geführt.

Werte beschreiben

Als nächstes beschreibt ihr die Werte möglichst plastisch und emotional. Aber schon mal eine Warnung. Egal, wie sehr ihr euch um die Lesbarkeit diese Texte bemüht: Mit diesen Beschreibungen erreicht ihr vor allem die Hirne eurer Kollegen – nicht ihre Herzen.

Viel besser als abstrakte Texte können wir uns Geschichten merken. Werte wurden früher mit plastischen Legenden und Geschichten am Lagerfeuer weitergegeben. Schaut nach „Legenden“ aus eurem Leben oder eurem Unternehmen, die zeigen, wie ihr eure Werte lebt und erzählt sie immer wieder. Damit zeigt ihr nicht nur, dass euch diese Werte wichtig sind, sondern auch dass ihr sie lebt.

Ergänzt dann die Werte um ein Bild oder Icon, dass diesen Wert repräsentiert. Denn: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. So, erster Teil der Beschreibung geschafft. Wert beschrieben. Hier meine Wertekarte für die unverschämte Leichtigkeit.

Meine Wertekarte zu „Unverschämte Leichtigkeit“

Werte operationalisieren

Als nächstes geht es an die Übersetzung der Werte in Handlungsorientierungen. Überlegt euch zunächst, wie sich eure Werte im ganz konkreten Tun zeigen. Das sind eure Arbeitsprinzipien. Am besten macht ihr diese Ableitung gemeinsam mit eurem Gesamtteam. Dann setzt sich jeder damit auseinander, was eure Werte für ihn oder sie bedeuten. Mit den Arbeitsprinzipien gestaltet ihr den Alltag der Menschen, die bereits im Team sind und schafft klare Leitplanken.

Das wertebasierte Recruiting unterstützt ihr, indem ihr für jeden Wert eine oder zwei Recruitingfragen entwickelt, mit denen die Recruitees und eure Kollegen explorieren können, was dieser Wert für sie bedeutet. Stellt die Fragen so, dass euer Gegenüber eine Erfahrung aus seinem Leben erzählt. Das gibt euch ganz schnell ein Gefühl dafür, wie wichtig dieser Wert für eure Gesprächspartner ist: Erzählt er von einer profunden Erfahrung oder kommt sie mit irgendwelchem Kleinkram? Wird das mit Begeisterung erzählt oder eher gelangweilt…

Mit den Arbeitsprinzipien und den Recruitingfragen ist eure Wertebeschreibung komplett. Wenn ihr euch jetzt noch die Zeit nehmt, all das in eine spannende Präsentation zu übersetzen, wird die Sache richtig rund.

Ein starkes Kultur-Dokument ist das „Netflix Culture Deck“: Durchdacht, gut gestaltet, umfassend. Sehr gelungen ist auch das „Little Book of IDEO“: Es zeigt die Werte und Prinzipien des Designunternehmens und belebt die Werte mit passenden Stories. Ein liebevoll gestaltetes Buch, das jeder bekommt, der bei IDEO einsteigt.

Little Book of Ideo: Werte, Bild, Arbeitsprinzipien, Mitarbeiter-Videos zu gelebten Werten. Quelle: Ideo

Werte vorleben

Wenn ihr eure Werte definiert habt, geht es an die Umsetzung. Mit euch Gründern in der Hauptrolle. Denn ob ihr es wollt oder nicht: Zu euch schauen alle auf. Euer wichtigster Job: Lebt die Werte authentisch vor und kommuniziert sie breit und ständig. Nicht nur verbal, sondern vor allem mit eurem täglichen Handeln.

Denn Handeln ist stärker als Worte. Was ihr tut und was ihr unterlasst definiert die wahren Werte der Organisation. Ihr sprecht über „unverschämte Leichtigkeit“, kommentiert aber jeden Urlaub der genommen wird kritisch? Dann ist euer eigentlicher Wert „Leistung um jeden Preis“ …

Es reicht auch nicht, dass ihr eure Zielkultur einmal vorstellt und die Werte mit hübschen Postern an die Wand hängt. Diskutiert die Werte und ihre Auswirkung auf euer Handeln in den unterschiedlichsten Runden, reflektiert sie bei wichtigen Entscheidungen, orientiert eure Prozesse und Organisation daran. Nur dann werden eure Werte wirklich zur Kultur.

Fritz Trott von Zenjob hat diesen Prozess wunderbar beschrieben:

Wir haben vier Werte: #Humble #Hungry #Honest #Helpful. Die haben wir bereits am Anfang etabliert. Sie stehen bei uns an der Wand, aber davon leben sie nicht. Sie leben davon, dass wir uns so verhalten.

Für unsere neuen Mitarbeiter gibt es immer eine Begrüßung. Da erkläre ich die Werte mit einer Geschichte: „Du bist jetzt hier bei Zenjob. Stellt dir vor, du hast dich mit jemandem von außerhalb zum Mittagessen verabredet. Die Person wartet kurz am Empfang auf dich. Beim Mittagessen erzählt sie dann, was sie in dieser Zeit erlebt hat: „Unglaublich, wie nett hier die Leute sind, wie hilfsbereit die Dame am Empfang war. Ich habe zwei von deinen Kollegen zugehört. Diese Leistungsbereitschaft, echt hungrig! Ich habe gesehen, wie der CEO der Praktikantin „Hallo“ gesagt hat“.

Das zeigt ganz praktisch, wie unsere Werte gelebt werden. Und das ist das, was uns wichtig ist.

Werteorientierter Teamaufbau

Nicht jeder Mensch passt in jede Kultur. Und eure Kultur ist nur stark, wenn sich alle gerne daran orientieren.

Präsentiert eure Kultur offensiv nach aussen – so wie Netflix oder Hubspot mit ihren Culture Decks. Dann bewerben sich nur die Menschen, die diese Kultur mittragen wollen.

Stellt unter Nutzung der Recruitingfragen nur Menschen ein, die zur Kultur eures Unternehmens passen. Helft neuen Kollegen, sich in eure Kultur einzuleben und eure Werte frühzeitig zu erfahren. Kulturworkshops sollten ein integraler Bestandteil des Onboardings sein.

Macht das Leben der Werte zur Voraussetzung bei Beförderung. Und trennt euch von Menschen, vor allem von Führungskräften, die eure Werte nicht leben, egal wie gut sie „performen“.

Was beim Thema Kultur viel gebracht hat, ist, dass wir bei Dingen, die uns wichtig waren, sehr explizit waren. Und dann Exempel dazu statuiert haben. Bei uns gibt es z.B. ein Prinzip, das heißt „No Politics“. Wo wir arbeiten möchten, darf es keine Politik geben. Punkt. Keine Ausnahmen. Wir haben das in unseren Werten definiert und Beispiele für Red-Flag-Verhalten gegeben: Das Reden hinter dem Rücken von anderen, das schlecht reden über andere… Dann gab es tatsächlich eine Mitarbeiterin, die genau das gemacht hat: Schlecht über andere zu reden. Da gab es keine zweite Verwarnung. Die haben wir sofort entlassen. Das spricht sich dann schnell rum. Jetzt ist es allen klar, dass wir es mit No Politics ernst meinen. So etablierst du deine Werte. Das machst du mit denen, die wirklich zentral sind für das Gefüge und die Selbstselektion der Organisation.

Alex Mahr & Jan Sedlarek, Stryber

Lasst schließlich auch eure Kunden erleben, was eure Werte sind – denn schließlich sind auch sie Teil eures Traumteams.

Die Kulturgestaltung über Werte ist ein umfangreicher und zeitintensiver Prozess. Aber der Zeiteinsatz lohnt sich. Unternehmen mit starken gelebten Werten performen nachweislich besser als der Wettbewerb. Noch viel wichtiger aber: Ihr schafft ein Unternehmen, indem ihr gemeinsam mit viel Spaß etwas schafft, das über euch hinauswächst. Und du gewinnst deine unternehmerische Freiheit. Allein schon dafür lohnt sich der Weg.

Viel Erfolg beim Ausprobieren!

Mit der Anmeldung zum Newsletter stellst du sicher, dass du künftig keine Anregungen rund um Leading Myself, Leading my Team und Leading my Business verpasst.

Damit du dein Unternehmen und dein Team weiterhin mit all deiner Energie in den Höhenflug führen kannst!

Viel Spaß dabei

Dorothea

Volate – Fliegt!

Photo by e on Unsplash

MAYDAY! MAYDAY! Verhindert den Absturz eures Führungsteams

Ihr wollt euer Unternehmen als Gründer- oder als Führungsteam in den Höhenflug bringen? Dann gibt es kein besseres Vorbild als Flugzeugcrews. Genau wie ihr müssen sie durch Turbulenzen fliegen oder kritische Situation bewältigen. Mit einem Unterschied: Sie werden genau dafür ausgebildet. Lest hier wie…

Absturzursache Nr. 1: Menschliches Versagen

Piloten treffen ständig kritische Entscheidungen in einem hochdynamischen Umfeld. Genau wie ihr! Dafür müssen sie jederzeit die Situation im Blick haben, klar kommunizieren, Konflikte konstruktiv lösen, unter Unsicherheit lebenswichtige Entscheidungen treffen und bei der Umsetzung mit großem Vertrauen kooperieren.

Von Piloten lernen: Trainiert die Teamfähigkeit eures Leadership Teams Klick um zu Tweeten

Das alles sind Fähigkeiten, die nicht einfach da sind. Sie müssen expliziert gelernt und geübt werden. Die Luftfahrt hat das Ende der 70er Jahre nach diversen fatalen Abstürzen mit hunderten Toten realisiert. 80% der Abstürze wurden damals auf menschliches Versagen zurückgeführt. Natürlich gab es oft auch technische Probleme, die aber mit guter Teamarbeit leicht beherrschbar gewesen wären. Und das waren typische Probleme:

  • Fehlender Überblick über kritische Informationen: 101 Menschen starben 1972 bei einem Absturz in Florida. Die Crew hatte sich um ein defektes Lämpchen gescharrt und den dauerhaften Sinkflug zu spät bemerkt.
  • Unklarheit hinsichtlich der Aufgaben und Verantwortungen: 2009 starben 228 Menschen. Der Kapitän war in der Ruhepause und keiner der beiden ersten Offiziere fühlte sich gesamtverantwortlich.
  • Fehlende Konfliktfähigkeit und „Ober sticht Unter“-Verhalten: 583 Menschen starben 1977 in Teneriffa. Der Kapitän hatte die Bedenken des ersten Offiziers, dass die Landebahn noch nicht freigegeben sei, abgewiesen.

All dies sind Fehlertypen, die leicht auch in eurem Leadership Team auftreten können. Dann sterben zwar keine Menschen, aber euer Unternehmen kann aufgrund solcher Dysfunktionalitäten im Führungsteam vor die Hunde gehen.

Lernt mit den Piloten fliegen

In der Flugbranche gibt es seit den 1980er Jahren eine Lösung für dieses Problem: Das CRM – Crew Ressource Management. Ziel des CRM ist die Schaffung kompetenter Teams, die auch unter höchstem Stress noch effizient zusammenarbeiten. Trainiert werden wesentliche zwischenmenschliche Fähigkeiten, die menschliches Versagen effektiv verhindern und die Teameffizienz erhöhen.

  • Kooperation & Konfliktmanagement: Crews werden zu echten Teams und bleiben es auch unter Stress. Jeder akzeptiert den anderen und versteht dessen Bedürfnisse. Alle halten sich gegenseitig im Blick und erkennen frühzeitig persönlichen Unterstützungsbedarf. Die Teammitglieder unterstützen sich bei der Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen. Jeder ist in der Lage, Feedback zu geben und anzunehmen. Die Teammitglieder artikulieren unterschiedliche persönliche Ansichten klar und entwickeln konstruktive Vorschläge zur Lösung der Probleme.
  • Team-Führung: Der Kapitän leitet und koordiniert die Tätigkeiten der Besatzung und ermutigt die Crewmitglieder zur Zusammenarbeit. Er stellt sicher, dass das Team über einen guten Wissensstand und über gute Fähigkeiten verfügt. Er motiviert, plant und organisiert, und sorgt für eine gute Arbeitsatmosphäre im Team.
  • Situationsbewusstsein: Die Crewmitglieder sind sich jederzeit der aktuellen Lage bewusst. Sie sammeln und aggregieren alle relevanten Informationen und bewerten sie. Veränderungen der Situation werden schnell erkannt. Bei Bedarf werden aktiv Informationen von Dritten eingeholt. Der Zeitfaktor ist im Bewusstsein aller, es wird vorausschauend geplant, schnell entscheiden und verzögerungsfrei umgesetzt.
  • Entscheidungsfindung: Die Crew durchläuft einen rigorosen Prozess der Entscheidungsfindung. Die Crewmitglieder benennen und analysieren die Probleme, identifizieren alternative Handlungsmöglichkeiten und nehmen eine Risikoabschätzung vor. Und entscheiden sich dann für die beste Handlungsweise. Das Ergebnis des Handelns wird in jedem Fall einem Review unterzogen.      

In CRM Trainings lernen die Flugzeugcrews alle diese Fähigkeiten, theoretisch und life im Simulator. Diese Trainings sind gesetzlich vorgeschrieben und werden in regelmäßigen Abständen wiederholt. Das war nicht immer so. In den ersten Jahren waren diese NOTECH  „Non technical Trainings“ als „Charm-School“ bei den Piloten verschrien. Was soll dieser ganze gruppendynamische Quatsch! Ringelpitz mit anfassen!

„Aviate, navigate, communicate!“

Notfall- Grundsatz der Piloten

Das hat sich inzwischen radikal geändert. Seit alle Piloten diese Trainings durchlaufen, ist die Anzahl der Abstürze, um 70% zurückgegangen – und das bei einer massiven Ausweitung des Flugverkehrs. Inzwischen gibt es nur noch wenige Piloten, die diese Trainings Quatsch finden. Vielmehr werden der positive Effekt auf das Vertrauen im Team, die verbesserte Kommunikation und der laufende Lernprozess sehr geschätzt.   

Stellt euch vor, ein verpflichtendes „Leadership Ressource Management“ Training hätte den gleichen Effekt. Wie viele Unternehmen könnten dann wohl nachhaltiges Wachstum erreichen, und wie viel mehr Jobs würde es dann geben. Spannende Phantasie!

Und nun zu Euch!

Wie gut performt euer Gründer- oder Führungsteam endlang dieser Faktoren?

Was würdet ihr adressieren, wenn ihr ein eigenes Leadership Ressource Management Training aufbauen würdet?

Wie könnt ihr diese Themen leben und die Qualität eurer Arbeit regelmäßig entlang dieser Dimensionen messen?

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Damit du dein Unternehmen und dein Team weiterhin mit all deiner Energie in den Höhenflug führen kannst!

Viel Spaß dabei

Dorothea

Volate – Fliegt!

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