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DER VOLATE LEADERSHIP-BLOG

Gutes Wachstum fängt mit den richtigen Impulsen an

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Die Macht der Rituale

Klar. Kompetent. Engagiert. Doch unter Druck übernimmt der Autopilot. Rituale sind der Raum, in dem du deine Macht zurückholst.

Klar. Kompetent. Engagiert. Doch unter Druck übernimmt der Autopilot. Rituale sind der Raum, in dem du deine Macht zurückholst.Klar. Kompetent. Engagiert. Doch unter Druck übernimmt der Autopilot. Rituale sind der Raum, in dem du deine Macht zurückholst.
Klar. Kompetent. Engagiert. Doch unter Druck übernimmt der Autopilot. Rituale sind der Raum, in dem du deine Macht zurückholst.

Wer keine Rituale hat,
überlässt seine Macht der Reaktion.

Reife Macht lässt sich nicht „lernen“ wie eine neue Management-Methode. Es ist eine Haltung. Du musst sie verkörpern, indem du alte, tief eingegrabene Schutzmuster überschreibst.

Das Problem: Deine Schutzmuster sind hochwirksam. Unter Druck fragt dein System nicht: „Was wäre jetzt weise?“ Es fragt: „Was hat bisher funktioniert?“ Und dann übernimmt der Autopilot. Kampf. Flucht. Starre. Das ist effizient. Und genau deshalb gefährlich. Denn Muster ohne Bewusstheit sind kein neutraler Zustand. Sie sind ein stiller Machtentzug.

Um alte Muster zu unterbrechen, reicht kein guter Vorsatz. Der Wunsch nach Veränderung verliert immer gegen den tief verankerten Reflex. Was fehlt, ist nicht Motivation. Was fehlt, ist Raum. Der Raum zwischen Reiz und Reaktion. Raum, um innezuhalten, wahrzunehmen, neu zu entscheiden. Dieser Raum entsteht nicht zufällig. Er entsteht nicht icht durch guten Willen. Und er entsteht schon gar nicht im vollen Kalender.

Er entsteht durch Rituale.

In diesem Blogartikel setzen wir uns mit der Macht der Rituale auseinander - Rituale, die unverhandelbare Zäsuren setzen und Räume schaffen, die sicher genug sind, um deine Entwicklung zu halten.

Zwei Logiken des Selbstführung

Viele verwechseln Routinen mit Ritualen. Doch tatsächlich sind sie Gegenspieler.

  • Deine Routine machen dich zum „Schlafwandler“ (Energie sparen, Muster abspulen).
  • Deine Rituale lassen dich „Erwachen“ (Energie investieren, Muster unterbrechen).

Die Routine: Stille Entmachtung

Bitte nicht falsch verstehen: Routinen sind nicht schlecht - sie sind lebensnotwendig. Sie tragen deinen Alltag, entlasten das Denken und sichern den laufenden Betrieb. Der Kern von Routinen ist simpel: Sie sparen Entscheidung und Kraft. Du entscheidest einmal – und danach entscheidet der Prozess für dich. Das ist effizient. Doch es gibt ein Problem: in dem Moment, in dem wir Aufgaben der aktiven Führung durch Abarbeitungs-Routinen ersetzen, geben wir unsere eigene Macht auf.

  • Du gehst ins Meeting, weil es im Kalender steht– nicht, weil es heute notwendig ist.
  • Du gehst KPIs durch, weil sie auf der Agenda stehen – nicht, weil sie gerade etwas Wesentliches anzeigen.
  • Du beantwortest deine Dankbarkeitsfragen, weil es „gut sein soll“ – nicht, weil sie dich noch berühren.

Wenn das passiert, führst du nicht mehr. Dann wirst dugeführt.

Das Paradoxon: Reaktivität durch Struktur

Viele glauben, Reaktivität entstehe durch Chaos. Die Wahrheit ist unbequemer: Reaktivität entsteht durch zu viel Struktur ohne Bewusstsein.

Wenn dein Tag zu 100% durch getaktet ist, hast du ein perfektes System gebaut, um Dinge zu erledigen. Aber du hast deine Resonanz-Fähigkeit auf Null heruntergefahren. Sobald Druck auf das System kommt, reagiert die Routine mit „Weitermachen!“. Das Ergebnis ist Aktivität statt Ausrichtung. Du arbeitest immer härter. Aber die Wirkung deines Tuns nimmt ab.

Das Ritual: Die Architektur der Unterbrechung

Wenn Routine das Schlafwandeln der Führung ist, dann ist das Ritual ihr Erwachen.  

Ein Ritual ist kein esoterischer Rückzugsraum und keine „Habit“, die man optimieren kann. Es ist ein bewusster Eingriff in deine Zeit. Ein Raum, in dem dein Autopilot Hausverbot hat. Und es ist eine Investition. Während die Routine Energie spart, kostet das Ritual Energie - und Zeit. Es verlangt von dir, den Schwung der Masse zu stoppen und die Richtung zu prüfen.

Die zentrale Funktion eines Rituals ist einfach: Es schafft Raum für Entscheidung. Hier steigst du wieder ins Cockpit. Hier wird Führung bewusst getragen.

Warum Reflektion einen geschützten Raum braucht

Mitten im operativen Alltag aus dem Schutzmuster auszusteigen, fühlt sich unsicher an. Im Kampf innehalten wirkt gefährlich. In der Flucht stehen bleiben, erzeugt Panik. Im Erstarren Bewegung zuzulassen, fühlt sich riskant an.

Rituale schaffen einen sicheren Container: einen begrenzten Raum, der sicher genug ist, um ehrlich zu werden. Drinnen gelten andere Gesetze als draußen. Draußen geht es um Geschwindigkeit, Lösungen und Druck. Im geschützten Raum dagegen um Wahrnehmung, Reibung und Klarheit.

Ein echtes Ritual der Selbstführung darf -  nein, es muss sogar - unbequem sein. Es ist kein Ort der Entspannung, sondern ein sicherer Ort der Konfrontation deiner alten Muster. Hier stellst du dir Fragen, die im Alltag stören würden:

  • Bin ich noch wirksam – oder nur beschäftigt?
  • Welchen Konflikt meide ich gerade?
  • Wo habe ich meine Linie verlassen?

Die drei Währungen wirksamer Rituale

Wenn du aus dem Schlafwandeln der Routine in das Erwachen des Rituals wechselst, verändert sich die Qualität deiner Führung. Ein wirksames Ritual produziert verlässlich drei Dinge, die im operativen Alltag oft verloren gehen:

Klarheit. In der Alltagshektik <reagierst du auf das, was am dringendsten ist. Du verwechselst Bewegung mit Fortschritt. Klarheit ist oft schmerzhaft, weil sie dir zeigt, wo du dich verrannt hast. Aber sie ist die Voraussetzung für jede Korrektur. Ein gutes Ritual hilft dir, das Rauschen vom Signal zu trennen.

  • Routine fragt: „Wie werde ich fertig?“
  • Ritual fragt: „Ist das noch das Richtige?“

Resonanz. Wer nur noch funktioniert, wird taub. Ohne Resonanz wirst du hart statt stark. Du spürst dich selbst und dein Team nicht mehr. Das Ritual stellt die bewusste Wahrnehmung wieder her. Es ist der Check-In mit der Realität:

  • „Bin ich noch in Kontakt mit meiner Absicht?“
  • „Spüre ich mein Gegenüber noch, oder verwalte ich ihn nur?“

Verantwortung. In Routinen wirst du Opfer der Umstände. Im Ritual wirst du wieder zum Gestalter . Hier verschwindet das „Ich musste ja“ zugunsten des „Ich gestalte diesen Moment.“ Du wechselst vom passiven Erleiden des Alltags zum aktiven Setzen von Prioritäten.

Mikro- und Makro-Rituale: Der Rhythmus reifer Macht

Reife Macht entsteht nicht an einem einzelnen Ort. Sie entsteht im Rhythmus deines Tuns. Im Moment – und über Zeit. In der Hektik des Alltags– und in der Reflektion. Deshalb braucht es zwei sehr unterschiedliche Formen von Ritualen:

  • Mikro-Rituale, die dich im Alltag stoppen.
  • Maktro-Rituale, die dich jenseits des Alltags verändern.

Beide sind unverzichtbar. Denn sie erfüllen völlig unterschiedliche Funktionen. Die Mikro-Zäsur ist der Schnitt im Sturm. Sie stoppt den Reflex. Das Makro-Ritual wirkt anders. Es ist der Ort bewusster Ausrichtung – das Labor deiner Reife, in dem alte Muster untersucht, neue entwickelt und verankert werden.

Das Mikro-Ritual: Schnitt im Sturm

Ein zentrales Problem alter Schutzmuster ist ihre Geschwindigkeit. Etwas triggert dich – eine Mail, ein Blick, ein Tonfall, eine Bemerkung im Meeting. Noch bevor du einen klaren Gedanken fassen kannst, ist dein System bereits unterwegs. Dein Körper spannt sich an. Die Wahrnehmung verengt sich. Du bist nicht mehr Führungskraft, sondern Angreifer, Flüchtender, Verteidiger. Reiner Reflex - keine Entscheidung.

Analyse bringt dich hier nicht weiter - hier braucht eine Unterbrechung. Genau das ist das Mikro-Ritual: Eine bewusste Zäsur im Moment der Eskalation. Sie dauert oft nur Sekunden. Manchmal nur drei Atemzüge. Ihre Aufgabe ist nicht, die Situation zu lösen. Auch nicht, klug zu reagieren. Ihre einzige Aufgabe ist: den Autopiloten zu stoppen.

  • Der Reiz sagt: „Schlag zurück.“ „Rette dich.“ „Mach dich klein.“
  • Die Zäsur sagt: „Stopp. Ich bin da. Ich wähle.“

In diesem Moment passiert etwas Entscheidendes: Du bist nicht länger dein Muster. Du hast wieder die Wahl. Ohne Mikro-Zäsuren bleibt selbst der klügste Mensch im Alltag ein Getriebener seiner Reflexe. Mit ihnen entsteht Souveränität vor der Handlung – nicht im Nachhinein.

Das Makro-Ritual: Bewusste Ausrichtung

Die Mikro-Zäsur ist der Not-Aus-Schalter im Eifer des Gefechts. Aber sie ändert noch nicht, wer du bist.  Dafür braucht es ein anderes Ritual. Einen Raum ohne Druck. Ohne Tempo.

Hier geht es nicht um Reaktion, sondern um Umbau. Reife entsteht nicht durch gute Vorsätze, sondern durch bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Muster. Im Makro-Ritual betrittst du das Labor deiner Führung:

Die Analyse. Du schaust dir Situationen an, in denen du deine Souveränität verloren hast. Nicht um dich zu verurteilen, sondern um die Mechanik zu studieren und das unbewusste Muster ins Licht zu holen:

  • „Was genau war der Auslöser?“ (Der Tonfall? Die Forderung? Das Schweigen?)
  • „Wie hat mein System reagiert?“ (Härte? Rückzug? Anpassung?)

Die Weiterentwicklung. Du entwirfst eine Alternative und entscheidest damit, wer du künftig sein willst.

  • Statt: „Wenn er mich unterbricht, greife ich an.“
  • Neu: „Wenn er mich unterbricht, atme ich, lächle und setze den Satz neu an.“

Die Verankerung. Du suchst aktiv nach den Momenten, in denen du nicht in dein altes Muster gefallen bist, sondern in denen dein neues Verhalten erfolgreich war. Du verankerst diese Erfahrung tief in deinem Denken und Fühlen. Und schaffst damit nachhaltig tragfähiger Muster.

Warum du beides brauchst

Ohne Mikro-Rituale verlierst du im Alltag die Beherrschung.Du wirst inkonsistent. Du sagst heute dies – und morgen das Gegenteil. Ohne Makro-Rituale verlierst du die große Linie. Du meisterst vielleicht einzelne Situationen, aber dein Grundmuster bleibt unangetastet.

Reife Macht atmet in diesem Rhythmus: Im Kleinen stoppen – um im Moment wach zu werden. Im Großen innehalten – um mit jeder neuen Entscheidung reifer zu werden. Wer nur das eine tut, bleibt reaktiv oder stecken. Wer beides kultiviert, beginnt, sich selbst zu führen.

Bauplan für Rituale

Wie heißt es so schön: Wer andere führen will, muss erst sich selbst führen. Bevor du Beziehungen führst oder Systeme gestaltest, musst du deine Eigenmacht halten können – unter Druck, im Konflikt, im Moment. Dafür braucht es keine Vielzahl von Ritualen. Zwei reichen. Nicht als Methode. Sondern als Gefäße, die dich tragen, wenn es eng wird. Ein Ritual für den Alltag. Und ein Ritual für die Linie deiner Führung.

Der Mikro-Bauplan: Der Muster-Brecher

Dieses Ritual dient einem einzigen Zweck: Es verhindert, dass du aus dem Reflex heraus handelst. Es löst kein Problem. Es analysiert nichts. Es schafft Zeit. Die Zeit zwischen Reiz und Reaktion. Damit das gelingt, muss dein Mikro-Ritual drei Bedingungen erfüllen.

Bedingung #1: Es muss früher greifen als der Verstand. Du musst wissen, wann du das Ritual brauchst. Dein Verstand ist hier zu langsam, er wird dir Ausreden liefern („Der andere ist schuld!“). Verlasse dich auf deinen Körper. Er lügt nicht. Je nach Trigger ist akuter Stress von unterschiedlichen Körpersignalen begleitet. Dein Mikro-Ritual beginnt dort, wo du dieses Signal sicher erkennst. Nicht als Fehler. Sondern als Hinweis: Jetzt übernimmt sonst der Autopilot. Typische Beispiele:

  • Kampf: Wird der Kiefer hart? Wird die Stimme lauter? Willst du jemanden unterbrechen?
  • Flucht: Wirst du innerlich unruhig? Checkst du reflexhaft das Handy? Willst du den Raum verlassen?
  • Starre: Wird der Kopf leer? Fühlst du dich klein? Verstummst du? -

Bedingung #2: Es muss Distanz zum Muster schaffen. Reife Macht kämpft nicht gegen Schutzmuster an. Sie erkennt sie. Deine Zäsur braucht einen inneren Marker, der dich vom Muster trennt. Ein kurzer Satz reicht. Nicht analytisch. Nicht belehrend. Lieber humorvoll distanzierend. Ein Satz, der dir signalisiert: Das ist ein Reflex – nicht meine Entscheidung. Mit diesem Satz wechselst du vom Reagieren ins Beobachten. Hier zwei Beispiele:

  • Ah, hallo, du alte Kämpferin. Musst du mal wieder Recht haben?“
  • „Guten Tag, Herr Fluchtkünstler. Wird es mal wieder eng?“

Bedingung #3: Es muss den Körper neu verorten. Psychische Muster lassen sich nicht rein kognitiv stoppen. Der Körper muss mitgehen. Ein bewusst gesetzter körperlicher Marker, wie z.B. ein tiefer Atemzug in den Bauch. Die Füße fest auf den Boden pressen. Die Schultern bewusst fallen lassen Erst danach folgt Handlung oder Sprache. Nicht perfekter. Aber aus einer bewussten Haltung heraus.

Das Mikro-Ritual ist kein Werkzeug für deine Souveränität. Es ist die Voraussetzung dafür.

Das Makro-Ritual: Labor der Reife

Dieses Ritual dient der Entwicklung deiner inneren Autorität. Nicht im Moment, sondern über Zeit. Es ist kein Ort für Problemlösung. Sondern ein Raum, in dem alte Muster geprüft, neue entwickelt und tragfähig verankert werden. Damit das gelingt, braucht auch dieser Raum klare Konstruktionsprinzipien.

Konstruktions-Regel #1: Der unverhandelbare Slot. Ein Ritual, das man verschieben kann, ist kein Ritual, sondern nichts ein guter Vorsatz. Lege einen Zeitpunkt fest, an dem die Wahrscheinlichkeit fürStörungen bei 0% liegt. Schau, was für dich am besten passt.

Konstruktions-Regel #2: Der eigene Ort. Rituale funktionieren auch über Kontext. Der Ort signalisiert dem Körper, welcher Modus hier gilt. Nicht dort, wo du sonst abarbeitest. Nicht im Meetingraum oder am Arbeitstisch. Wechsle den Sessel. Geh in ein Café. Oder bleib am Schreibtisch, aber ändere das Setting (Laptop zu, Notizbuch auf, Musik an) Dein Körper muss lernen: Hier wird nicht reagiert. Hier wird geführt.

Konstruktions-Regel 3: Der klare Rahmen. Ohne Rahmen kippt der Raum ins Grübeln. Oder in Selbstkritik. Ein festes Set an Fragen reicht. Nicht viele. Aber verbindliche. Fragen, die Wahrheit ermöglichen – und Entscheidung verlangen.

  • Nicht: Was lief gut? Sondern: Wo war ich wirksam?
  • Nicht: Was muss ich tun? Sondern: Welchen Konflikt vermeide ich?
  • Nicht: Was steht auf meiner To Do Liste? Sondern: Aus welcher Haltung will ich künftig agieren?

Konstruktions-Regel 4: Der neue Zustand. Das Resultat wirksamer Rituale ist kein Hochgefühl. Es ist Integrität. Das Gefühl, sich selbst wieder zu tragen. Klarer zusein. in Einklang mit sich selbst. Dieser Zustand ist die eigentliche Belohnung. Nicht als Motivation. Sondern als innere Referenz. Je öfter du diesen Zustand bewusst wahrnimmst, desto verlässlicher wird dein System diesen Raum wieder aufsuchen.

Was Rituale wirklich sind

Du hast gesehen, wie leicht Führung im Funktionieren verschwindet. Und was es braucht, um wieder wach zu werden. Lass uns diesen Moment nutzen, um ein letztes Missverständnis  auszuräumen:

Ein Ritual ist kein „Life-Hack“.  Es ist keine weitere Optimierungsschraube, um noch mehr Leistung aus dir herauszupressen. Das wäre Missbrauch.

Ein Ritual ist ein Akt der Würde.

Es ist der Beweis, dass du dich und deine Verantwortung ernst genug nimmst, um nicht nur zu funktionieren. Der Anker, den du wirfst, bevor der Sturm losgeht. Wer keine Rituale hat, vertraut darauf, dass das Außen ihn schon irgendwie tragen wird. Wer Rituale hat, trägt sich selbst.

Die Entscheidung liegt jetzt bei dir. Erwarte keine Wunder. Rituale verändern dein Leben nicht über Nacht. Sie machen dich nicht zu einem besseren Menschen. Und sie lösen deine Probleme nicht auf magische Weise. Sie tun etwas viel Wichtigeres: Sie sorgen dafür, dass du dich nicht mehr verlierst, während du deine Probleme löst.

Und nun zu dir!

Beantworte diese Fragen nicht schnell, nicht „richtig“. Lass sie stehen und prüfe, wo sie in Resonanz mit dir gehen.

  • Wo nennst du es „Disziplin“, aber in Wahrheit ist es eine Flucht vor der Stille?
  • Welches Gespräch mit dir selbst schiebst du seit Monaten auf, indem du deinen Kalender füllst?
  • Was kostet dich diese Ausweichbewegung wirklich – an Kraft, an Freude, an Integrität?
  • Und wer zahlt den Preis, wenn du hier nicht bleibst? (Deine Familie? Dein Team? Deine Gesundheit?)
Leading Myself

Finde den perfekten Senior Hire

50% der Senior Hires scheitern. Das kostet euch Zeit, Geld und Vertrauen im Team. Erfahrt was ein Senior Hire mitbringen sollte, damit er erfolgreich sein kann.

Finde den perfekten Senior HireFinde den perfekten Senior Hire

Euer Team steht vor einem Wendepunkt: Mit dem Wachstum und der abgeschlossenen Series A ist es Zeit, erfahrene Manager ins Boot zu holen. Die Chance, endlich einen Sprung nach Vorne zu machen und tiefe Expertise ins Team zu bringen.

Doch mit Chancen kommen auch Risiken. Der Einfluss eines erfahrenen Managers auf die Kultur kann entscheidend sein. Passt er nicht, zieht es das gesamte Team in Mitleidenschaft.

Sad Fact: 40-60% der Senior Hires scheitern vorzeitig.

Denn die ersten erfahrenen Manager in Startups brauchen einzigartige Talente, die vielen nicht bewusst sind.

Was euer Senior Hire mitbringen soll, um erfolgreich zu sein, lest ihr in diesem Artikel.

Lass dich inspirieren und starte deine persönliche Leadership-Reise!
Your journey far beyond!

Eine Leidensgeschichte

Die Series A war abgeschlossen. Die erste Tranche lag auf dem Konto. Endlich konnte sich Franka den erfahrenen Manager leisten, von dem sie schon so lange träumte:  Der neue CSO sollte endlich Struktur in den Salesbereich bringen, denn sie bisher geführt hatte.

Der Traumkandidat, Michael, hatte die letzten 10 Jahre bei der großen Konkurrenz gearbeitet und Sales groß gemacht. Den Markt kannte er wie seine Westentasche. Auch menschlich passt es. Franka war begeistert.

Endlich war Michael da und startete durch. Nach den intensiven Abstimmungsrunden der ersten Wochen konnte Franka sich endlich auf die strategischen Themen konzentrieren!

Leider ließ die erste Begeisterung bald nach. Michael was so anders. Sehr Hands off. Um Sales zu pushen, holte er schnell weitere Mitarbeiter in sein Team, baute Zwischenstrukturen auf. Aber der Erfolg stellte sich nicht ein. Das Unternehmen funktionierte anders, als er es gewohnt war. Die Anspannung stieg. Und das bekamen alle zu spüren.

Besonders das Leadership Team. Aggressiv lenkte Michael von seinen fehlenden Erfolgen ab. Schob die Schuld auf das Startup Chaos und den CMO, der nicht die richtigen Leads lieferte. Der CMO gab bald genervt auf. Nur wenig später platzte die Bombe: Auch Michael hatte entschieden, sein Heil woanders zu suchen...

Die 12 Talente des First Senior Hires

Die ersten Senior Hires sind eine große Herausforderung.

Ihr seid noch mitten im Aufbaumodus. Die Prozesse und Strukturen müssen alle erst noch geschaffen werden. Du lässt zunehmend mehr los, bist aber noch immer sehr nahe am Unternehmen. Lost in Translation zwischen Macher und Leader, fehlt dir zu diesem Zeitpunkt noch das Selbstvertrauen eines erfahrenen CEOs.

Dieses Spannungsfeld braucht besondere Manager: Er muss in Systemen denken und gleichzeitig Hands-on sein. Sich von dir führen lassen und gleichzeitig dein Mentor sein. Ein erfahrener Manager wird nur dann erfolgreich, wenn er diese Situation versteht und konstruktiv mit ihr umgeht.

Dafür braucht er neben seiner fachlichen Kompetenz und einem guten Kulturfit 12 ganz besondere Talente. Die richtigen Fragen helfen dir Red Flags zu erkennen.

#1 Startup Erfahrung & Unternehmergeist

Er kennt die Aufbauphase, hat sie mindestens einmal erfolgreich durchlaufen. Er liebt es, Ordnung ins Chaos zu bringen, kann gut damit leben, dass noch lange nicht alles da ist. Euer schnelles Tempo und die knappen Ressourcen nimmt er gerne als Herausforderung an. Auch wenn er nie gegründet hat: Im Herzen ist er ein Unternehmer und geht gerne in die Verantwortung .

  • Wann hast du zuletzt einen Bereich von Null an aufgebaut? Wie bist du vorgegangen? Was hast du daraus gelernt? Was war deine Startup Erfahrung?
  • Red Flag: Der Senior Hire hat zu lange (6+ Jahre) in etablierten Umfeldern gearbeitet und ist funktionierende Prozesse gewohnt.

#2 Team Empowerment

Die Neue begeistert ihre Teamies – und hilft ihnen über den Frust hinweg, nicht mehr direkt für dich zu arbeiten. Dafür ist sie ganz nahe dran. Sie braucht nicht gleich eine zweite Ebene - weiss aber auch, wann es Zeit für weitere Strukturen ist. Sie gewinnt High Potentials, die zu eurer Kultur passen. Mit ihrem soliden Führungshandwerkszeug unterstützt sie ihre Teammitglieder im Wachstum und schafft ein High Performance Team.

  • Beschreibe deinen Führungsstil. Wie bringst du deine Teammitglieder in die Verantwortung? Wie begeisterst du dein Team von dir, das bisher an uns Gründer berichtet hat.
  • Red Flag: Die Senior Hire „will nur führen“ und plant direkt ein zweites Level einzuziehen.

#3 Die richtigen Entscheidungen

Startups leben von schnellen Entscheidungen. Gleichzeitig braucht es immer mehr Grundsatzentscheidungen. Ein erfahrener Manager stellt sicher, dass er mit seinen Entscheidungen ein übergreifendes System aufbaut. Er konzentriert sich auf Entscheidungen, die nur er treffen kann und schafft einen Entscheidungsrahmen, in dem sich sein Team autonom bewegen kann.

  • Welche Entscheidungen triffst du selbst, welche Entscheidungen überlässt du dem Team? Wie schaffst du gute Entscheidungsstrukturen? Erklär mir deine Systematik.
  • Red Flag: Der Kandidat redet nur über Alltagsentscheidungen. Das weist auf Mikromanagement hin. Oder er beschreibt nur sehr generische Entscheidungen.

#4 Transparente Kommunikation

Senior Hires werden als Zwischenebene zwischen dich und deine Mitarbeiter platziert. Für dich ist das erst mal ein Kontrollverlust, für das Team der Verlust der direkten Bindung zu dir. Gute Managerinnen kommunizieren offen in beide Richtungen und fördern Skip Levels. Damit schaffen sie Sicherheit auf beiden Seiten. Suche eine Senior Hire, die mutig auch kritische Themen anspricht.

  • Wie stellst du eine effektive Kommunikation innerhalb deines Teams und mit anderen Teams sicher? Wie willst du mit mir kommunizieren?
  • Red Flag: Die Senior Hire schottet ihr Team von dir ab. Frei nach dem Motto: Das musst du jetzt ja nicht mehr wissen, dafür bin ich da.

#5 Kreative, durchdachte Lösungen

Du brauchst Senior Hires, die kreative Lösungen für die großen Herausforderungen deiner Company finden und nicht einfach ihr Standardmodell herunternudeln. Das verlangt strategisches Denken, Kreativität und ein detailliertes Verständnis eures Geschäftsmodells. Um das zu erreichen, stellen sie zunächst einmal nur viele Fragen. Denn sie wissen: Jedes Unternehmen ist anders und verlangt individuelle Lösungen.

  • Mit welchen Problemen hatte deine letzte Company zu kämpfen und wie bist du sie angegangen? Was davon passt zu uns, was würdest du anders machen? Wie würdest du den USP unseres Geschäftsmodells stärken?
  • Red Flag: Euer Kandidat bietet euch ohne tieferes Verständnis eurer Herausforderung die „perfekte Lösung“ an. Und zieht sein Team nach, ohne zu verstehen, wie ihr tickt.

#6 Strategisch & Hands-on

Die Senior Hire sollte strategisch denken, aber auch bereit sein, die Ärmel hochzukrempeln und sich die Hände schmutzig zu machen. Managerinnen, die nicht auch mal selbst anpacken, helfen dir nicht weiter. Gleichzeitig sollte sie sich auch in die Gesamtstrategie einbringen und ein echtes Interesse an den Herausforderungen ihrer Nachbarbereiche haben.

  • Wann warst du das letzte Mal so richtig tief im Maschinenraum? Was war da passiert? Was war dein Beitrag zur Strategie des letzten Unternehmens? Wie hast du es mitgeprägt?
  • Red Flag: Die Senior Hire lehnt es ab, operativ tätig zu werden und interessiert sich nicht für die Herausforderungen der anderen Bereiche.

#7 Netzwerk und Branchenkenntnis

Je größer ihr werdet, desto wichtiger wird eure Verankerung im Markt. Präferiere erfahrene Manager mit einem starken Netzwerk. Stark heißt: Die richtigen, nicht unbedingt viele Leute. Gute Senior Hires bringen wertvolle Verbindungen und Einblicke mit und helfen euch aufs nächste Level zu kommen.

  • Wie nutzt du deine Branchenkenntnisse und Verbindungen, um deine Mitarbeiter zu unterstützen und entwickeln?
  • Red Flag: Wildes Name Dropping. Die Qualität der Beziehungen ist wichtiger als die Quantität.

#8 Fit mit dem Leadership Team

In der Skalierungsphase etabliert ihr nicht nur die zweite und dritte Ebene, sondern auch ein engeres Leadership Team. Stellt sicher, dass die Neue in dieses Team passt. Idealerweise teilt sie eure Werte, bringt aber neue Dynamiken in die Teamzusammenarbeit. Mach klar, dass das Engagement im Leadership Team ein wichtiger Teil ihrer Rolle ist

  • Welche Rolle hast du in den letzten Leadership Teams gehabt? Wie hast du zu ihrem Erfolg beigetragen? Wie gestaltest du gute Arbeitsbeziehungen zu deinen Peers?
  • Red Flag: Die Kandidatin will nur ihren Job machen und sieht das Leadership Team als Ablenkung. Die Rückmeldungen aus dem Leadership Team sind gemischt.

#9 Resilienz

Startups sind unberechenbar. Rückschläge sind der Alltag. Ein guter Senior Hire hat seinen fairen Anteil an Rückschlägen erlebt und gute Wege gefunden, wieder in die Kraft zu kommen. Dabei hat er es geschafft, ein ”Secure Leader“ zu sein.

  • Wo bist du mal so richtig auf die Schnauze gefallen? Was hat das mit dir gemacht? Wie bist du damit umgegangen? Wie hast du dafür gesorgt, dass es nicht wieder passiert?
  • Red Flag: Menschen, die nie wirklich gescheitert sind, gibt es nicht. Erst recht nicht im Startup. Wer das behauptet, dem fehlt die Selbstreflektion.

#10 Langfristiges Commitment

Du brauchst eine Senior Hire, die willens ist euren gesamten Übergang vom Startup zum Scaleup aktiv zu begleiten. Das sind 2-3 Jahre, oft sogar mehr. Diese Zeit ist in jedem Fall anstrengend. Ständige Wechsel in den Schlüsselpositionen werfen euch immer wieder zurück.

  • Warum möchtest du deine derzeitige Stelle aufgeben und was motiviert dich, bei unserem Startup mitzumachen?
  • Red Flag: Unerklärte Lücken und viele kürzere Stationen sind oft ein Zeichen für Konflikte oder fehlenden Impact. Lass dir genügend Referenzen geben.

#11 Demütige Ambition

Suche einen Senior Hire, der mit euch nach den Sternen greifen will, dabei aber mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht. Menschen mit demütiger Ambition brauchen keine großen Titel, um ihren Wert zu erleben. Starte lieber klein, mit einem VP oder SVP-Titel, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du in der nächsten Runde noch eine C-Ebene einfügst.

  • Was begeistert dich besonders an der Möglichkeit, bei uns zu arbeiten? Was willst du hier schaffen? Wie wichtig ist dir der Titel? Warum?
  • Red Flag: Hände weg von Senior Hires, die nur auf dem C-Ticket kommen und / oder überzogene Gehaltsvorstellungen haben.

#12 Partner auf Augenhöhe

Dein Traum ist eine echte Sparringspartnerin. Eine erfahrene Managerin, die dir dabei hilft, den Weg vom Gründer zum CEO zu gehen. Deine Sheryl Sandberg. Sie weiss, wie schwierig es ist, loszulassen und unterstützt dich dabei mit ihren Erfahrungen. Und sie lässt dir Raum – wohl wissend, dass die besondere Energie eines Gründers durch nichts zu kompensieren ist.

  • Was hast du an der Gründerin deines letzten Unternehmens besonders geschätzt? Wie habt ihr euch ergänzt? Wie hast du sie in ihrem Wachstum unterstützt?
  • Red Flag: Jemand, der dir das Gefühl gibt, nicht genug zu können oder jemand, der euch als Karrierebooster nutzt.

Und wie bekommst du das alles raus?

Zuerst natürlich in vielen direkten Gesprächen mit eurem Kandidaten. Idealerweise nehmt ihr euch zusätzlich zu den üblichen Interviews einen ganzen Tag Zeit, um eure Vorstellungen abzugleichen. Fantastisch ist es, wenn ihr die Möglichkeit habt, vorab gemeinsam ein kleines Projekt zu machen und damit euren gegenseitigen Arbeitsstil kennenzulernen.

Teile diese Liste aber auch mit deinen Kollegen und bitte sie, sich in Gesprächen ihr eigenes Bild vom Kandidaten zu machen.

Mach in jedem Fall mindestens 5-6 Referenzgespräche, um zu verstehen, wie der Kandidat in vergangenen Jobs gearbeitet hat: ehemalige Chefs, Peers und Mitarbeiter.

Folgende Fragen helfen dabei:

  • Gehört die Person zu den Top 50% -  Top 20% -Top 10% -  Top 5%?
  • Was für ein Umfeld und was für eine Kultur braucht dieser Mensch, um aufzublühen?
  • Wo siehst du diesen Menschen in drei Jahren?
  • Erzähl von einer Situation in der du ihn / sie gecoacht hast?
  • Welche Kompetenz hat er / sie während eurer Zusammenarbeit weiterentwickelt?
  • Was kann ich als ihr Manager tun, um ihr zu helfen, erfolgreich zu werden?

Ein weiterer guter Indikator ist Kununu: Was macht die Kultur der Firmen aus, in denen die erfahrene Managerin zuletzt gearbeitet hat? Passt das zu euch? Vielleicht gibt es sogar so viele Reviews, dass du dir die Rückmeldungen aus ihrem Bereich gezielt anschauen kannst.

Viel Spaß bei der Umsetzung!

Key Take Aways

Das Hiring der ersten erfahrenen Manager ist eine große Herausforderung. Noch ist alles im Entstehen. Du musst erst noch in deiner CEO-Rolle ankommen, bist oft verunsichert, ob das alles so geht.

Wenn du es schaffst, einen erfahrenen Partner mit diesen 12 Eigenschaften zu gewinnen, werdet ihr einen gewaltigen Sprung machen:

Er hat Startup-Erfahrung und Unternehmergeist, empowert sein Team, trifft die richtigen Entscheidungen und kommuniziert transparent sowohl zu dir als auch dem Team. 

Sie kommt zu kreativen, durchdachten Lösungen, denkt strategisch und ist bei Bedarf Hands-on. Sie hat ein starkes Netzwerk und gute Branchenkenntnis. 

Sein Fit mit dem Leadershipteam ist hoch, er ist resilient, langfristig commited, gleichzeitig demütig und ambitioniert.

Und vor allem ist er oder sie für dich ein echter Partner auf Augenhöhe.  

Eine ordentliche Wunschliste. Nimm dir Zeit, um all diese Eigenschaften im Gespräch zu erkunden. Schließt euch mal für einen Tag lang ein und exploriert die mögliche Zusammenarbeit. Bitte deine Führungskollegen den Kandidaten auf diese Themen hin anzuschauen und mach in jedem Fall Referenz-Calls. Das kostet zwar viel Zeit - aber es lohnt sich.

Und nun zu dir!

  • Was bedeutet es für dich, einen erfahrenen Manager ins Team zu holen? Was erwartest du dir davon?
  • Hattet ihr schon mal negative Erfahrungen mit Senior Hires? Was war schief gegangen? Was würdest du heute anders machen?

Weiterführende Artikel

Onboarding statt Waterboarding: So stellst du sicher, dass dein neuer Senior Hire zum Erfolg wird.

Leading my Team

Die Macht des Selbstlobs

Alte Muster halten dich klein, selbst wenn du längst weiter bist. Radikale Selbstbestärkung zeigt dir, wie du das Gute in dir verankerst – tief im Nervensystem. Der Beginn eines neuen Ich.

„Ich bin wirklich schlecht darin, meine Erfolge zusehen!“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Seufzer schon gehört habe.

Die meisten ambitionierten Menschen sind Weltmeister darin, sich selbst zu kritisieren – oft mit einer Härte, die sie anderen niemals zumuten würden.

Und wenn wir es mal gut mit uns meinen, folgen wir dem schwäbischen Motto:
„Ned gschimpft isch globt gnug.“ Super Ergebnis, Haken dran, weiter im Text.

Dahinter stecken zwei Glaubenssätze:

  • Wachstum entsteht durch Selbstkritik. Je schonungsloser, desto besser.
  • Zu viel Wertschätzung macht uns selbstgefällig und faul.

Das Problem: So funktionieren wir nicht.

Schon gar nicht, wenn wir durch einen intensiven persönlichen Veränderungsprozess gehen – wenn wir unsere Selbstsabotage hiner uns lassen wollen.

Dann brauchen wir etwas völlig anderes:
den Mut, unsere Erfolge radikal anzuerkennen.
Sie auszukosten. In ihnen zu baden. Sie in unser Nervensystem einzubrennen.

Genau darum geht es hier: Wie du Radikale Selbstbestärkung zu einem echten Entwicklungsbooster machst und die Methode dahinter: Erfolgsverankerung.

Radikale Selbstbestärkung im Coaching

Radikale Selbstbestärkung ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit:  bewusstes Rückschauen auf gelungene Situationen, um sie mental, emotional und körperlich zu verankern.

Vor Kurzem hatte ich ein Coaching mit einem Unternehmer, nennen wir ihn Peter.

Wir hatten in der vorherigen Session ein schwieriges Gespräch mit seiner Co-Founderin vorbereitet. Ein Gespräch, das er monatelang gemieden hatte – aus Angst, die Beziehung zu beschädigen.

Das Gespräch hatte inzwischen stattgefunden. Nun saß er vor mir und sagte:

„Das war ganz anders als erwartet.“

Er war mit schwerem Herzen hineingegangen – und kam sehr erleichtert wieder heraus.

Er hatte zum ersten Mal klar ausgesprochen, was für ihn nicht funktionierte und was er sich für die Zusammenarbeit wünscht.

Statt der befürchteten Distanz erlebte er Dankbarkeit. Seine Co-Founderin fühlte sich gesehen, konnte offen über eigene Schwierigkeiten sprechen. Die Beziehung wurde stärker statt schwächer.

Peter sagte leise:

„Ich habe immer Angst, Klarheit zerstört Beziehung.
Aber es ist genau andersherum.“

Wir hätten an dieser Stelle weitergehen können – das nächste Thema wartete schon.
Aber wir taten das Gegenteil:

Wir blieben. Wir vertieften. Wir verankerten das Gelingen.

Hier ein grober Eindruck eines viel längeren Austausches:

Ich fragte: „Wie hat sich das angefühlt?“

Er atmete tief. Die Schultern sanken. „Wie ein Ankommen in meiner Rolle. Ein Stück neues Ich.“

Ich lud ihn ein, die Augen zu schließen und nachzuspüren. „Da ist Wohlwollen“, sagte er. „Ich war klar – und ich habe geholfen.“

Dann fragte ich: „Was ist NICHT passiert – obwohl du es befürchtet hattest?“

Er lachte. „Sie war nicht verletzt, ist nicht gegangen. Im Gegenteil: Wir fühlen uns verbundener als vorher.“

Zum Schluss: „Was macht diese Erfahrung möglich für die nächsten Gespräche?“

Peter: „Ich muss Probleme nicht allein lösen. Ich muss nur meine Beobachtungen klar machen – und dann gemeinsam weitergehen. Und ehrlich gesagt: Ich freue mich schon auf das nächste Gespräch.“

Während unseres Gesprächs war Peter förmlich gewachsen. Seine Stimme wurde immer überzeugter und fester. Die Entspannung war sichtbar. Da saß jemand, der festen Boden unter den Füssen hatte.

Radikale Selbstbestärkung

Radikale Selbstbestärkung ist die bewusste Entscheidung, das eigene Gelingen zu würdigen und im Körper zu verankern. Die Methode dahinter ist die Erfolgsverankerung: das mentale, emotionale und körperliche Nachspüren eines Moments, in dem du über deinen alten Schatten gesprungen bist.

Erfolgsverankerung macht aus einer guten Erfahrung eine neue Möglichkeit.
Mit der Übung wird aus der Möglichkeit eine Routine.
und diese neuen Routinen prägen deine neue Identität.

Was Erfolgsverankerung in dir auslöst

Wir haben es alle erlebt: Wenn wir alte Verhaltensmuster ändern wollen, reicht es nicht, neue Gedanken zu denken.

Ein kluger Satz wie „Kritisches Feedback ist wertvoll“ verändert nichts, solange dein Nervensystem weiterhin „Achtung, Gefahr!“ funkt.

Denn alte Muster bestehen nicht nur aus deinen Gedanken. Sie sind komplexe neuronale Glaubenssysteme, die unser Verhalten seit Jahren– manchmal Jahrzehnten – automatisieren.

Ein Glaubenssystem umfasst vier Ebenen:

  • Gedanken- bei Peter z.B. „Ich darf nicht hart sein.“ „Ich verletze andere.“
  • Emotionen - Angst, Schuld, Enge, Stress.
  • Körperreaktionen - Herzklopfen,verspannter Brustkorb, flacher Atem, weiche Knie.
  • Reaktives Verhalten - Vermeiden, abschwächen, ausweichen, überanpassen.

Diese Ebenen aktivieren sich gegenseitig. Sie bilden stabile, tief verschaltete Programme – deine neuronalen Autobahnen: breit, schnell, automatisiert, energieeffizient, vertraut, selten hinterfragt.

Und sie ziehen dich selbst dann in alte Muster, wenn du eigentlich anders agieren willst.

Neue Verhaltensweisen = Trampelpfad

Wenn du etwas Neues tust — ein klares Feedback gibst, eine Grenze setzt, dich zeigst — entsteht im Gehirn nicht nur ein neuer Gedanke. Es wird ein neues neuronales Muster angelegt. Leider ist das anfangs eher ein dürrer Trampelpfad: Kaum sichtbar im Gestrüpp, ungewohnt, langsam und holprig.

Dein Nervensystem vertraut ihm noch nicht. Es zweifelt, warnt und versucht dich mit aller Kraft auf die alte Autobahn zurückzuziehen. Anders als der der alte Spruch „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ suggeriert, ist das kein Zeichen fehlender Disziplin, sondern reine Neurobiologie.

Vom Trampelpfad zur Autobahn

Erfolgsverankerung ist keine Schönfärberei. Sie ist gezielte neuronale Verstärkung und verknüpft:

  • das neue Verhalten (Ich war klar und wurde gehört),
  • die neue kognitive Einsicht (Yeah, es hat geklappt),
  • die neue emotionale Erfahrung (Puh, ich war sicher.) und
  • die neue körperliche Empfindung (Mmmh, mir wird ganz warm ums Herz),

Diese vier Ebenen bilden gemeinsam ein neues neuronales Netzwerk.

Jedes bewusste Wiedererinnern, Wiederfühlen, Wiederverstehen verbreitert den Pfad, stärkt die neuen synaptischen Verbindungen, reduziert alte Alarmreaktionen und baut Vertrauen in das neue Selbst auf.

Genauso ist die alte Autobahn entstanden:  Durch jahrelange Wiederholung von Verhaltensmustern, die mal für dich funktioniert haben, dir heute aber im Wege stehen.

Und so entsteht auch die neue: Durch bewusste Verstärkung des Gelingenden.

Die 5 Schritte der Erfolgsverankerung

Basis: Wähle eine konkrete Situation

Such dir eine Situation der letzten Tage, in der du etwas Neues ausprobiert hast – und es gut oder besser als früher gelaufen ist. Wichtig: Es muss nicht „perfekt“ gewesen sein. „Besser als früher“ reicht völlig.

Suche dir dann einen ruhigen Ort. Idealerweise findest du einen Sparringspartner, der dich durch die Schritte begleitet. Jetzt beginnt die eigentliche Erfolgsverankerung.

Schritt #1: Was genau ist passiert?

Versetze dich so plastisch wie möglich zurück in die Situation:

  • Wer war beteiligt? Wo wart ihr?
  • Was hast du konkret getan oder gesagt?
  • Was war anders als sonst?
  • Was ist genau der Erfolg, den du erreicht hast?

Hier geht es um die Rekonstruktion des Moments: Was ist objektiv gelungen? Normalerweise hören wir hier bereits auf. Und schwupp, ist die gute Erfahrung wieder vergessen - und die nachhaltige Veränderung verhindert.

Schritt #2: Wie hat es sich angefühlt?

Jetzt kommt der entscheidende Teil: das emotionale und körperliche Erleben.

  • Wo im Körper spürst du Weite, Wärme, Erleichterung, Klarheit?
  • Welche Emotionen sind da? Erleichterung, Stolz, Verbundenheit, Ruhe…?
  • Wie hat sich das Gefühl über den Verlauf der Situation entwickelt?

Dieser Schritt beginnt, das neue Verhalten körperlich zu verankern. Denn - wie oben beschrieben - alte Glaubenssysteme bestehen nicht nur aus Gedanken, sondern aus Emotionen, Körperreaktionen und automatisierten Schutzstrategien.

Nur wenn du auch das alte Gefühl überschreibst, wird dein Nervensystem auf das neue Verhalten umschwenken können.

Schritt #3: Vertiefung der Körpererfahrung

Weil wir oft zu schnell über gute Gefühle hinweggehen, vertiefst du sie jetzt bewusst:

Schließe die Augen ... Atme langsam ... Spüre die Ruhe, die Klarheit, die Verbundenheit, die sich eingestellt haben ...  Genieße sie wie eine warme Dusche ...Bestärke dich: „Das war gut. So möchte ich mich wieder fühlen.“

Wenn du die Übung mit einem Partner machst, kann er oder sie dich durch Mini-Impulse begleiten:

  • „Bleib bei der Wärme im Bauch.“
  • „Spüre den Stolz über das, was du geschafft hast.“
  • „Spüre die Verbindung, die entstanden ist.“

Dieser Schritt ist das „Neural Rewiring“. Hier entsteht Vertrauen in das neue Verhalten.

Schritt #4: Was ist NICHT passiert?

Du hast jetzt mit jeder Sehne deines Körpers erfahren, dass etwas Neues geht und wie gut es sich anfühlt. Jetzt konfrontierst du deinen alten Glaubenssatz. Dazu reichen zwei Fragen:

  • Welche Katastrophen hast du vorher befürchtet?
  • Welche davon sind ausgeblieben – und was ist stattdessen passiert?

Diese Fragen nehmen dem alten Glaubenssystem die Macht. Sie entlarven die innere Warnung („Achtung, Gefahr!“) als das, was sie ist: ein veraltetes Schutzprogramm.

In diesem Moment überschreibst du nicht nur deine Gedanken, sondern das ganze Netzwerk aus alten Emotionen, Körperempfindungen und Verhaltensroutinen.

Schritt #5: Blick nach vorn – Was wird möglich?

Zum Abschluss richtest du deinen Blick nach vorne:

  • Welche neuen Möglichkeiten eröffnet dieses Verhalten?
  • Wie verändert es deine Führung?
  • Wie verändert es deinen Selbstkontakt – und den Kontakt zu anderen?
  • Wo kannst du dieses Verhalten in den nächsten Tagen konkret wiederholen?

Diese letzte Frage ist entscheidend: Positive Erfahrungen haben eine kurze Halbwertszeit.
Je früher du das neue Verhalten wiederholst, desto schneller wird es zur Routine – und schließlich zu einem neuen inneren Standard und Teil deines Selbst.

So wird aus einer gelungenen Situation ein Motor der Transformation.

Warum das so wichtig ist...

Die meisten Menschen erleben negative Erfahrungen intensiv - aber positive rutschen ihnen durch:

  • Etwas ist schief gegangen → großes Drama, Selbstvorwürfe, Scham und Schuldgefühle
  • Etwas gelungen → kurzes Lächeln, weiter im Text.

Doch das, was wir emotional verstärken, prägt unsere neuronale Autobahn.

Wenn wir das alte, dysfunktionale Verhalten in den Fokus nehmen, kitten wir zwar die gröbsten Schlaglöcher der alten Autobahn, bleiben aber de facto im alten Muster hängen.

Wenn wir das Gelingen nicht auskosten, bleibt es ein Zufallstreffer: „War halt mal ein guter Tag.“

Erst wenn wir das neue Gelingen in uns verankern, wird es ein neuer innerer Standard.

Das ist Veränderung von innen. Radikale Selbstbestärkung mit der Methode der Erfolgsverankerung.

Meine Einladung an dich: Probier es aus.

Eine Woche lang jeden Abend drei Minuten Erfolgsverankerung.

Knöpf dir etwas vor, das an diesem Tag besonders gut gelaufen ist. Durchdringe es, genieße es, verankere es tief in dir.

Ich verspreche Dir: Das kann dein gesamtes Selbstbild verschieben.

 

TL;DR

Wir überschätzen Selbstkritik – und unterschätzen Selbstanerkennung.
Viele analysieren Fehler endlos, übergehen aber ihre Erfolge. Dabei entsteht echte Entwicklung dort, wo wir gelingende Momente bewusst verankern.

Alte Muster sind neuronale Autobahnen.
Sie bestehen aus Gedanken, Emotionen, Körperreaktionen und automatisierten Verhaltensweisen. Sie ziehen uns selbst dann zurück, wenn wir eigentlich etwas Neues wollen.

Neue Verhaltensweisen starten als Trampelpfad.
Wenn wir mutig Klarheit zeigen oder Grenzen setzen, entsteht ein neues neuronales Muster – anfangs holprig, unklar, leicht zu übersehen.

Radikale Selbstbestärkung ist der Schlüssel.
Sie bedeutet: das eigene Gelingen nicht klein reden, sondern würdigen. Innere Größe nicht wegschieben, sondern spüren und verkörpern.

Erfolgsverankerung ist die Methode dazu – in 5 Schritten:

  • Was genau ist passiert? → Die Situation plastisch rekonstruieren
  • Wie hat es sich angefühlt? → Emotion & Körper aktiv wahrnehmen
  • Tiefe Verkörperung: → Das gute Gefühl bewusst vertiefen
  • Was NICHT passiert ist: → Alte Ängste entmachten
  • Blick nach vorn: → Das neue Verhalten zeitnah wiederholen

Das Ergebnis: nachhaltige innere Transformation.
Indem wir Erfolge fühlen, vertiefen und wiederholen, wird aus einem einzelnen Moment eine neue Routine – und schließlich dein neues Selbst.

 

Und nun zu dir!

  • Welchen Erfolg habe ich in den letzten Tagen viel zu schnell vergessen?
  • Was sagt dieser Erfolg über meine neue – noch ungewohnte – Größe?
  • Welche Sorge ist NICHT eingetreten, obwohl ich mutig war?
  • Was wird möglich, wenn ich diese Erfahrung nicht als Zufall, sondern als neue Autobahn betrachte?

 

Leading Myself