Warteschleife – Zu viel System, zu wenig Innovation

Veröffentlicht von Dorothea 03/01/2020

Gerade wart ihr noch im Höhenflug. Ihr hattet alles in den Griff bekommen und habe echt abgehoben. Leider nicht dauerhaft. Ein Übermaß an Strukturen und Prozessen nimmt euch die Energie und bringt euch in der Warteschleife. Obwohl noch alles super läuft, fühlt es sich an, als würde jemand die Bremse ziehen.

Zurück zum Unternehmertum

Ihr habt erlebt, was es heißt, mit eurem Unternehmen im Höhenflug zu sein. Dieses unglaublich Flowgefühl: Alles geht leicht, ihr bewältigt neue Herausforderungen mit Erfahrung, Inspiration und Energie. Und daher wisst ihr auch, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Die Prozesse und Systeme, die Euch geholfen haben, die Turbulenzen zu überwinden, wenden sich gegen euch. Je mehr ihr euer Unternehmen in feste Raster presst, desto weniger Platz ist für Kreativität, Risikobereitschaft und unternehmerisches Denken.

Im Markt seid Ihr nicht mehr Vorreiter, sondern bestenfalls Mainstream. Automatisierung und Prozesse verdrängen den wesentlichen Treibstoff exzellenter Unternehmen: Direkte, vertrauensvolle Beziehungen mit Euren Kunden und Mitarbeitern. Und das macht sich bemerkbar: Wachsende Enttäuschung und Abwanderung. Denn keiner möchte ein Rädchen in der Maschine sein.

Ihr habt jetzt die dritte kritischen Phase des Lebenszyklus erreicht, die Warteschleife. Das Leben ist ruhiger geworden, irgendwie gesetzter. Noch fliegt ihr, aber wenn ihr euer Unternehmen jetzt nicht bald mit neuer Energie versorgt, werdet ihr abstürzen. Spätestens dann werden euch die letzten echten Unternehmer verlassen, auf der Suche nach neuen Herausforderungen, mehr Autonomie und Spaß.

Die Aufgabe in dieser Phase: Auftanken und zurück in den Höhenflug. Die Balance herstellen zwischen stabilisierenden Systemen und Strukturen und agilen Management-Komponenten. Und vor allem: Wieder humaner werden. Den Menschen und seine Bedürfnisse in den Blick nehmen, sowohl auf Kunden- als auch auf Mitarbeiterseite.

Was ist zu machen? Geht als Leadership Team in Vorleistung. Stellt euch in Frage und fordert euch mit einer mutigen, mitreißenden Vision heraus. Um diese Vision zu entwickeln, müsst ihr vor allem Zuhören. Hören, was eure Kunden und Mitarbeiter wirklich bewegt und das konsequent umsetzen. Wie ihr das effizient macht, wisst ihr ja inzwischen. Schaltet konsequent von System- auf Menschenzentrierung um. Das ist in vielen Märkten die größte Innovation, die ihr liefern könnt.

Mit agilen Arbeitsweisen, wie Design Thinking, schafft ihr parallel zu Euren stabilisierenden Prozesse Freiräume für Kreativität und Risiko. Beides braucht ihr dringend, denn ohne Sie gibt es keine Innovation, und ohne Innovation werdet ihr bald nicht mal mehr Mainstream sein.

Die Wachstumshebel

Der Abstieg aus dem Höhenflug beginnt, wenn Ihr die Balance zwischen Menschen und Systemen, Agilität und Stabilität verliert. Mit der Revitalisierung schafft ihr Raum für Kreativität, Unternehmergeist und Risiko und wendet euch wieder den Menschen zu. Denn die eigentliche Aufgabe eines Unternehmens ist es, Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn ihr diese Aufgabe exzellent erfüllt, wird auch der wirtschaftliche Erfolg kommen. Und ihr werdet wieder in den Höhenflug kommen, in dem alle Wachstumshebel optimal zusammen funktionieren und maximales Momentum erzeugen:

  • KUNDE: Einzigartige Positionierung, tiefes Kundenverständnis, replizierbare Kundengewinnung
  • STRATEGIE: Mitreißende Vision, klare Strategie, ambitionierte Ziele
  • LEADERSHIP: Starke Führungspersönlichkeiten, tief verankerte Werte
  • TEAM: Klare Verantwortlichkeiten, High Performance Team
  • UMSETZUNG: Klare Taktung, disziplinierte Umsetzung, agile Prozesse
  • FINANZEN: Skalierendes Geschäftsmodell, Cash- und Margen-Wachstum

Typische Herausforderungen und Red Flags

Jede Phase des Lebenszyklus hat ihre typischen Herausforderungen. An denen müsst ihr natürlich arbeiten, aber sie können gut bewältigt werden. Dann gibt es aber auch Probleme, die wirklich kritisch sind. Wenn diese Themen bei Euch auftauchen, könnte euer Unternehmen in Gefahr sein

No alt text provided for this image

In der Warteschleife gibt es vor zwei überlebenskritische Probleme: Überautomatisierung tritt ein, wenn es nur noch darum geht, möglichst viel in Systeme zu packen. Das Unternehmen wird zur reinen Maschine, das wichtigste Asset des Unternehmens geht verloren: Loyale Beziehungen. Der Unternehmergeist verfliegt, wenn es nur noch darum geht, wie etwas gemacht wird, nicht was gemacht wird. Wenn es keine echte Vision mehr gibt, sondern die Marktposition durch das Benchmarking mit Wettbewerbern definiert wird.

Und nun zu euch

Erkennt ihr euch wieder? Ist eure Vision nur noch Material für die Image Broschüren?

Verliert ihr den persönlichen Draht zu Mitarbeitern und Kunden?

Erwischt ihr euch dabei, eure „Maschine“ immer weiter zu optimieren und automatisieren?

Habt ihr inzwischen so viele Teilziele, dass ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr seht?

Im nächsten Artikel werden wir euch Tipps geben, wie ihr die wichtigsten Probleme adressiert und wie ihr dafür sorgen könnt, dass es nicht nur den Unternehmen, sondern auch euch gut geht.

Wir freuen uns über eure Kommentare.

Volate – Vom Gründer zum CEO

Photo by Ivan Bandura on Unsplash