Wer nicht hören will, muss…

Veröffentlicht von Dorothea 07/02/2020

es dringend lernen! Zuhören ist die Mutter aller Leadership Skills. Aktives Zuhören, wirklich beim Gegenüber, sein ist die Basis für den Aufbau von Bindung und Vertrauen. Und damit die Grundlage für den Aufbau von High Performance Teams.

Vom Ansage machen zum aktiven Zuhören

Leadership Workshops starte ich gerne mit einem Brainstroming. Die Frage: „Was macht für dich gute Führung aus?“. Da kommen schnell eine inspirierende Sammlung von Skills zusammen: Sinn geben, offene Kommunikation, Menschen begeistern, Feedback, Mentoring, Coaching, ansprechbar sein…

Nur eine Kompetenz fehlt eigentlich immer. Leider ist es die fundamentalste aller Leadership Kompetenzen: Das Zuhören.

Und tatsächlich: Als Führungskräfte machen wir gerne klare Ansagen, wir sagen wo es lang geht, reden Tacheles. Aber zuhören? Fällt uns oft vielen unglaublich schwer. Wie oft hören wir auf halbem Ohr zu, warten aber nur auf den richtigen Moment, um endlich mit der eigenen Meinung oder einer Ansage reinzuspringen. De facto sind wir dann nicht beim Gegenüber, sondern nur bei uns selbst.

Aktives Zuhören ist die Mutter aller Leadership Skills und die Basis für eine Kultur des Vertrauens! Share on X

Wer aktiv zuhört, will sein Gegenüber wirklich verstehen. Nicht nur oberflächlich, sondern auch dessen Gefühle, Bedürfnisse und Intentionen. Wenn wir aktiv zuhören, erfüllen wir zentrale Bedürfnisse unseres Gesprächspartners. Wir geben ihm das Gefühl der Sicherheit, der Wertschätzung und der Zugehörigkeit. Zuhören ist damit das Fundament von Vertrauen. Oder vertraust du jemanden, der dich nur zutextet?

Der Lohn für gutes Zuhören ist gigantisch. Wir lernen das Team und unsere Kunden wirklich kennen, verstehen ihre Herausforderungen und gewinnen neue Perspektiven. Aktives Zuhören sprengt den ”Eisberg der Ignoranz“, nach dem die Top Führungsebene typischerweise nur 4% der Probleme eines Unternehmens sieht, die Basis aber 100% der Probleme. Und es ist die Grundlage für die Entwicklung unserer Mitarbeiter im Rahmen eines Coaching Leadership Stils. Sowie für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden.

3 Übungen zum aktiven Zuhören

Das Beste: Aktives Zuhören ist eigentlich gar nicht schwierig. Es ist vor allem eine Frage des Bewusstseins. Aktives Zuhören kann jeder leicht üben.

Probiere beim nächsten Gespräch einfach mal verschiedene Signale des aktiven Zuhörens aus:

  • Blickkontakt halten, offener Blick,
  • Die Haltung des Gegenübers spiegeln,
  • Nicken, mit leisen „mmh“ und „aah“ zeigen, dass Du den Gedanken folgst,
  • Paraphrasiere die Worte oder fasse mit „Ich habe verstanden, dass…“ zusammen…

Und spüre dann, wie sich die Qualität des Gesprächs und eurer Beziehung verändert. Parallel kannst du versuchen zu verstehen, welche Emotionen hinter dem Gesagten liegen: Geht es meinen Gegenüber gut, ist er entspannt oder aufgeregt, was könnte der Grund dafür sein…

“The Chinese character for „listen“ contains the subcharacters for heart, eye and ear – all of which we must use to truly listen.”
George Kohlrieser, Professor für Leadership and Organizational Behaviour an der IMD 

Oder macht zu zweit ein kleines Spiel: Einer erzählt zweimal das Gleiche. Beim ersten Mal schaltet das Gegenüber auf stur, zeigt keine Regung. Beim zweiten Mal hört er aktiv zu. Was passiert mit euch? Wie fühlt sich das an? Was hörst Du Neues, wenn du auch auf die Emotionen und Intentionen lauscht?

In der dritten Stufe kannst du dann testen, wie du dein Gegenüber mit dem richtigen Zuhörstil dazu bringst, noch mehr zu erzählen.

Als „Leiser Zuhörer“ lässt du dein Gegenüber reden. Und vor allem lässt du auch längere Pausen zu. Dann wirst du erleben, dass dein Gegenüber noch mehr preis gibt, denn die meisten Menschen können Pausen sehr schwer ertragen.

Als „Lauter Zuhörer“ provozierst du bewusst Widerspruch, um tiefere Informationen oder Überlegungen heraus zu kitzeln. Gut funktioniert das mit bewusst falschen oder schrägen Aussagen. Hier schlägt der natürliche Impuls zur Wahrheit durch – kaum jemand kann es ertragen, wenn falsche Dinge gesagt werden. Wichtig: Dieser Ansatz funktioniert nur in einem Klima des Vertrauens – ist das nicht gegeben, wird dir tendenziell nach dem Mund geredet oder eine Antwort vermieden.

Das Wichtigste: Gleich mit dem Üben anfangen!

Schnell wirst du merken, wie sich die Qualität deiner Beziehungen ändert. Nicht nur, weil sich dein Gegenüber gesehen fühlt, sondern weil auch du mehr über den Menschen erfährst – und damit auch von deiner Seite aus Nähe aufbaust. Und in einer guten Beziehung macht die Zusammenarbeit einfach viel mehr Spaß!

Und nun zu Euch!

Was war deine beste Erfahrung mit aktivem Zuhören? Was hat es mit dir gemacht? Wie willst du es angehen?

Wenn dich dieser Impuls inspiriert hat, wäre es toll, wenn du ihn in deinem Netzwerk weiterempfiehlst.

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Viel Spaß und gute Energie

Dorothea

Volate – Fliegt!

Photo by Mimi Thian on Unsplash